Meinungen

M&A: ausgeträumt

Unternehmen müssen sich besinnen, warum sie durch Übernahmen wachsen wollen. Die schwache Erfolgsbilanz zwingt sie dazu. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Stefan Krähenbühl.

«Die ­Geschichte von Übernahmen und ­Fusionen ist zu oft mit den Wut­tränen von Aktionären getränkt.»

Der Markt für Übernahmen ist knochentrocken. Vor allem transformative Zukäufe sind Mangelware. Unternehmen, die sich dennoch in Planspielen üben, seien gewarnt: Die ­Geschichte von Übernahmen und ­Fusionen ist zu oft mit den Wut­tränen von Aktionären getränkt.

Erinnern Sie sich an Mannesmann und Time Warner? Beide wurden kurz dem Platzen der ­Dotcom-Blase übernommen, Mannesmann von Vodafone (VODl 1.22 +0.31%), Time Warner von AOL. Mit Volumen von 291 und 230 Mrd. $ wurden die Übernahmen zu den grössten der Geschichte. Und mitunter zu den verlustreichsten. Vodafone bringt heute noch schlappe 40 Mrd. € auf die Waage.

Vorsicht Kulturgraben

Dabei gibt es im komplexen Pallawatsch der Megadeals eine Handvoll Regeln, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Erstens: Strategie schlägt Grösse. Ergänzungskäufe, die eine Transformation beschleunigen, haben eine längere Halbwertszeit als der Versuch, Performancezahlen zu schönen.

Zweitens: Fokus auf die Kulturen. Passen sie nicht zusammen, wird es teuer. Die Unüberwindbarkeit der Kulturen im Falle der Daimler-Chrysler-Ehe hat den deutschen Autobauer bis zur Trennung 2010 fast 40 Mrd. € gekostet. Drittens: Integration ist elementar. Die Liste von Unternehmen, die dafür zu wenig Geld und Zeit ­eingeplant haben und später böse überrascht wurden, ist gefühlt endlos.

Kritischer Blick gefragt

Zu guter Letzt ist auch die Motivation des Managements wegweisend. Die Strategie «Grösse um der Grösse willen» vergrössert zwar die Lohntüte der Chefs, bringt den Unternehmen aber nichts. Aktionäre sollten grossen Träumen ihrer Unternehmen deshalb stets kritisch gegenübertreten. Platzen sie, haben auch sie ausgeträumt.