Einst lobpreisten hier Mönche den Herrn, im Chor der Dominikanerkirche zu Maastricht. Wenigstens erinnert die sakrale Gotik unverrückbar daran, dass Buchhandlung und Café «Dominicanen» eine Zweckentfremdung sind. Statt in der Heiligen Schrift wird heute (vielmehr: sobald die Kundschaft wieder auf freien Fuss gesetzt wird) vielleicht in Kochbüchern geblättert, statt des Abendmahls werden etwa Häppchen mit Cappuccino genossen – in den Niederlanden einstweilen auf wenigstens 1,5 Meter Abstand. Für die Entweihung sorgte 1796 die französische Kavallerie, die ihre Gäule gleich im Kirchenschiff unterbrachte. Messen wurden hier auch nach Napoleons Ende keine mehr gelesen, die Choräle hatten ausgeklungen. Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Gotteshaus blieb verweltlicht und musste herhalten als Messehalle,  Sportarena, Fahrradparkhaus, ja: als Karnevalssaal – wo keines der zehn Gebote mehr galt. Ob das am Spiritus Loci liegt? Ende 1991 wurde in der Stadt an der Grenze zu Belgien und Deutschland der Maastrichter Vertrag ausgeknobelt: versehen mit ehernen Kriterien für eine solide Einheitswährung, hochheilig beschworen für alle Ewigkeit. Die aber währte nur kurz, die Profanierung folgte rasch. (Bild: Cees van Leeuwen/Keystone)