Zum Thema: Las Vegas lässt die Pechsträhne hinter sich

Macau erlebt einen neuen Schub

Das Zockerparadies Asiens boomt wieder. Das spiegelt sich auch an der Börse.

Der Aufstieg von Macau ist eine der eindrücklichsten Wachstumsgeschichten der letzten Jahrzehnte. Allein 2017 haben die Glücksspieleinnahmen der vierzig ansässigen Kasinos 16% auf 33 Mrd. $ zugenommen. Das ist fünfmal so viel, wie am legendären Strip in Las Vegas erzielt worden ist. Vor zwei Jahrzehnten setzte das damals einzige Kasino in Macau weit weniger als 1 Mrd. $ um.

Der wilde Zockerboom, der 2001 durch die Lockerung des Glücksspielgesetzes in China ausgelöst worden ist, scheint keine Grenzen zu kennen. Zu verdanken hat ihn Macau dem Umstand, dass die wirtschaftlich autonome Sonderverwaltungszone der einzige Ort im 1,3 Milliarden Einwohner zählenden Riesenreich ist, wo das Glücksspiel erlaubt ist. Der Bruttogewinn der Branche nimmt seit bald zwei Jahren Monat für Monat ununterbrochen zu und bewegt sich für April annähernd 30% über dem Stand des Vorjahres.

Eingriff gegen Korruption

Dennoch bleiben die Einnahmen nach wie vor deutlich hinter dem im Jahr 2013 erreichten Rekord zurück. Nach dem Spitzenjahr hatte der Aufschwung von Macau einen brüsken Rückschlag erlitten, wofür eine Reihe von staatlichen Eingriffen verantwortlich war.

Zum Beispiel wurde das Rauchen in den Kasinos verboten. Fatale Auswirkungen auf das Geschäft hatten jedoch vor allem die Massnahmen, mit denen die chinesische Regierung ab dem folgenden Jahr zumindest temporär gegen die grassierende Korruption vorging.

Das blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Aktienkurse der fünf an der Börse Hongkong kotierten Kasinobetreiber. Ihre kombinierte Marktkapitalisierung brach bis Ende 2015 auf 50 Mrd. $ ein, nachdem sie ab 2008 von weniger als 20 auf 200 Mrd. $ gestiegen war. Dank der Belebung des Geschäftsgangs ist ein Grossteil der Kursdelle mittlerweile ausgewetzt.

Die Kasino-Gruppe Galaxy Entertainment beispielsweise konnte den Gewinn 2017 um nahezu 70% auf 1,3 Mrd. $ steigern. Die Valoren, die von einer Mehrheit der Analysten zum Kauf empfohlen werden, sind in den letzten zwölf Monaten denn auch vorgeprescht.

Macau wird weiterhin viel Wachstumspotenzial zugetraut. Vergangenes Jahr besuchten gerade einmal 32 Mio. Touristen die rund 50 Kilometer westlich von Hongkong gelegene Sonderverwaltungszone. Mit Blick auf den erwarteten Anstieg der Besucherzahl bauen die Kasinobetreiber ihre Kapazität deshalb kräftig aus.

Ob diese Rechnung aufgeht, hängt vor allem von der künftigen Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung ab. So haben sich die Spieleinnahmen in der Vergangenheit parallel mit dem Wachstum von Chinas Wirtschaft entwickelt.

Vorbild Las Vegas

Analysten der Investmentbank Morgan Stanley (MS 51.16 -0.29%) erwarten, dass die Spieleinnahmen auf mittlere Sicht jährlich 12% zunehmen und bis 2022 rund 60 Mrd. $ erreichen werden. Ein wichtiger Faktor in dieser Kalkulation ist, dass den Kasinos in anderen Regionen wie den Philippinen, Südkorea und Kambodscha Konkurrenz entstanden ist.

Die Branche reagiert darauf, indem sie das Angebot diversifiziert. Gegenwärtig erwirtschaften die Kasinos in Macau 85% des Umsatzes mit dem Spielgeschäft. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, werden vermehrt familienfreundliche Unterhaltungsmöglichkeiten angeboten und die Gastronomie verbessert, wie es Las Vegas bereits vorgemacht hat.

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