Mit diesen zwei pyramidalen Tortürmen empfängt Minsk die Besucher aus dem Westen, die aus der Glaskrake des Bahnhofs, hinten im Bild, ins Freie treten. Die Kapitale von Belarus wurde in ihrer Geschichte immer wieder furchtbar zerstört. Nach 1945 hiess Stalin sie als Muster einer idealen Sowjetstadt völlig neu erbauen – mit pompösen Palästen, Plätzen, Parks und Boulevards: grossspurige Gesten der Diktatur. Doch viele der 9,5 Mio. Menschen des Pufferstaats (noch nicht Europa, nicht mehr Russland, oder umgekehrt) scheinen sich vor den Monumenten der Macht nicht mehr zu ducken. Vielmehr beschleichen nun Staatschef Alexander Lukaschenko, 66, im Amt seit 1994 (!), wohl gewisse Sorgen. Der in der Wolle gefärbte Sowjet-Apparatschik könnte in der Präsidentschaftswahl von nächsten Sonntag ernsthaft bedrängt werden, trotz aller Tricksereien. Denn: Gegenkandidatin Swetlana Tichanowskaja (38) scheint einen breiten Veränderungswillen zu repräsentieren und weckt Begeisterung. Nachdem ihr Mann, ein bekannter Blogger, erst von der Kandidatur ausgeschlossen und dann verhaftet wurde, sprang sie für ihn ein. Gewählt werden will sie eigentlich gar nicht, bzw. nur, um danach freie Wahlen durchzuführen. (Bild: Robert harding und Christian Kober/Keystone)