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Macron-Rally belastet Gold

Mit dem guten Abschneiden von Emmanuel Macron im ersten Durchgang der französischen Wahlen schwindet die Nachfrage nach dem Edelmetall. Doch andere Faktoren stützen weiterhin.

Gold gehört zu den Verlierern der französischen Wahlen vom letzten Sonntag. Mit der Unsicherheit in Europa schwindet auch der Treiber der jüngsten Kursavance im Edelmetall. Der Unzenpreis fiel am Montag knapp 15 $ auf 1270 $. Noch vor einer Woche hatte er bei über 1290 $ den höchsten Stand seit Anfang November markiert. Anleger hatten vermehrt zum Edelmetall gegriffen, um sich gegen einen Sieg der rechtsnationalistischen Marine Le Pen von der Front National abzusichern.

Anleger atmen auf

Doch das gute Abschneiden des unabhängigen sozialliberalen Emmanuel Macron vertrieb die Sorge um ein mögliches Ausscheiden Frankreichs aus der Europäischen Union (EU). Zum Wochenauftakt atmeten die Anleger rund um den Globus spürbar auf. Aktien tendierten auf breiter Front fester, der Euro wird höher gehandelt und die Renditen auf französische Anleihen sind deutlich gefallen.

Der 39-Jährige geht gemäss den Prognosen am 7. Mai als Favorit in die Stichwahl um den Einzug in den Elysée-Palast. Darauf lässt auch die Reaktion der internationalen Börsen schliessen. Damit ist die Niederlage der Populisten in Frankreich bereits grösstenteils in der Goldnotierung eingepreist, glauben die Analysten von Société Générale. Ein Rückgang bis auf 1250 $ je Unze sei aber nicht ausgeschlossen. Sollte dennoch der Front National einen Sieg feiern, würde die politische Unsicherheit von neuem zunehmen und Gold könnte erneut kräftig profitieren.

13% seit Anfang Jahr

Seit Anfang Jahr hatte sich die Unze zwischenzeitlich um 13% verteuert. Die politische Unsicherheit war aber nicht der einzige Grund für die Erholung. In den USA hat die Wachstumseuphorie, die den Aktienmarkt Anfang Jahr beflügelte, deutlich nachgelassen. Nach der gescheiterten Gesundheitsreform wachsen die Zweifel, ob und wie der neue Präsident Donald Trump seine Wahlversprechen einlösen kann, von denen man sich neuen Schwung für die Wirtschaft erhofft.

Hinzu kommen geopolitische Spannungen und die Angst vor weiteren Interventionen der USA im Nahen Osten nach einem Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis Anfang April. In diesem Umfeld ist Gold als sichere Anlage weiterhin gesucht.

Dollar und reale Zinsen stützen

Gestützt wird die Notierung zudem vom schwachen Dollar. Die US-Währung notiert derzeit unter Parität zum Franken. Kommende Woche findet das Treffen der US-Notenbank (Fed) statt. Eine Zinserhöhung ist jedoch unwahrscheinlich. Angesichts der betonten Zurückhaltung des Fed im laufenden Jahr dürfte der Greenback in den kommenden Wochen kaum markant aufwerten. Davon profitieren in der Regel in Dollar denominierte Edelmetalle.

Noch entscheidender ist für Ned Neylor-Leyland, Goldexperte beim Vermögensverwalter Old Mutual, aber die Tatsache, dass das Zinsniveau wegen der Fed-Politik in den USA auch weiterhin tief ist. Wegen der anziehenden Preise bleiben die inflationsbereinigten Zinsen im negativen Bereich. Das macht Gold gegenüber rentierenden Anlagen attraktiver und wird den Preis mittelfristig stützen – unabhängig vom Wahlausgang in Frankreich.