Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Made in Taiwan

Manfred Rösch

Loke Wan Tho soll anno 1932 Waadtländer Kantonsmeister im Weitsprung gewesen sein: Schwer überprüfbar, auch die Weite ist unbekannt, doch möglich ist das durchaus. Der Spross einer reichen Familie chinesischstämmiger Geschäftsleute in British Malaya besuchte damals nämlich ein Collège in Montreux; dort betrieb er rege Sport, was er anschliessend, in der Studienzeit in Cambridge und London, wacker fortsetzte. Kaum war Loke Wan Tho (1915–1964) nach seinen Lehr- und Wanderjahren nach Singapur zurückgekehrt, fielen die Japaner ein, und er musste sich nach Indien absetzen. Als die japanischen Streitkräfte kapituliert hatten, machte Loke Wan Tho sofort kommerziell ganz grosse Sprünge: Er baute das Kinogeschäft, in das seine Familie in den Dreissigerjahren eingestiegen war, wieder auf – und aus.

Schon 1946 schloss Loke Wan Tho mit der britischen J. Arthur Rank Organisation einen Vertrag ab, um ihre Streifen in Ost- und Südostasien zu vertreiben. Dazu gehörte auch Taiwan, wohin sich 1949 die nationalchinesische ­Regierung unter Chiang Kai-shek hatte zurückziehen müssen. Um diese Zeit gründete Loke Wan Tho die Kaoshiung International Theatre Ltd. (benannt nach Taiwans zweitgrösster Stadt), die ab 1949 gediegene, klimatisierte Kinos aufbaute, mit den seinerzeit modernsten Vorführgeräten und Tonanlagen. Wahrscheinlich wäre Asiens Movie-Mogul heute da und dort noch ein Begriff, wäre er nicht so früh gestorben: bei einem Flugzeugabsturz – auf dem Rückflug von einem Filmfestival.

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