Mord an Presseleuten, die den Machthabern auf die Zehen treten – diesmal nicht im frostigen Osten, sondern im sonnigen Süden. Die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hat für ihren Mut unlängst mit dem Leben bezahlt. Sie hatte üble Machenschaften aufgedeckt: Korruption bis in höchste Staatskreise. Der Inselstaat zwischen Sizilien und Nordafrika, Mitglied der EU und der Eurozone, scheint mafiöse Strukturen zu beherbergen; die Rede ist etwa von Geldwäsche. Das Volk protestierte nach dem blutigen Attentat. Wer in Maltas Dreck wühlt, stösst immerhin gelegentlich auch auf Erfreulicheres. So wie Landarbeiter anno 1914, in Tarxien südlich der Hauptstadt Valletta, denen beim Pflügen eigenartige Steine auffielen. Archäologen rückten an und schürften tiefer; sie legten eine eindrückliche Tempelanlage frei, die auf etwa 3100 v. Chr. datiert. Die halbierte Statue, ursprünglich gegen drei Meter hoch, wird als Fruchtbarkeitssymbol verstanden und als «Magna mater» bezeichnet. Es gab im Mittelmeerraum keine ähnliche Kultur. Fundstücke, die auf Krieg verweisen, Speerspitzen etwa, finden sich kaum. Frühhistoriker sagen: Die alten Malteser waren eine Gesellschaft, die mit sich selbst im Frieden lebte.