Saint-Denis ist eine steile Stadt. Die Strassen vom Meer hinauf in die umliegenden Hügel sind kurvig, eng und oft verstopft. Seit knapp einem Vierteljahr bringt die Seilbahn nun Entlastung: Sie bedient auf einer Länge von 2,7 km fünf Stationen und verbindet somit die Wohnviertel, die sich auf gegen 300 Meter hinaufziehen (die «quartiers étagés», wie es so anschaulich heisst) mit dem Geschäftszentrum unten am Indischen Ozean. Saint-Denis ist die Hauptstadt des Départements La Réunion; dieses liegt 9400 km weit weg von Paris, eine Insel zwischen Mauritius und Madagaskar. Doch die Zugehörigkeit zum fernen Frankreich steht ausser Frage, und so werden nächstes und übernächstes Wochenende auch die rund 860 000 Réunionnais ihre sieben Abgeordneten in die Nationalversammlung wählen. Häufig erhält der zuvor gewählte Präsident die erwünschte Regierungsmehrheit für die nächsten fünf Jahre, die «majorité présidentielle». Danach sieht es auch dieses Mal aus, obwohl Emmanuel Macron nur lustlos bestätigt wurde; Marine Le Pen wollte man dann doch nicht. Die Macron nahestehenden Kräfte – das Parteiensystem in Paris ist fluide, verwirrlich und in fortlaufender Umbenennung – dürften erneut dominieren.