Die «Murasame» kreuzt, unter der Flagge der aufgehenden Sonne, an der Spitze eines Konvois – wer da kein Déjà-vu-Erlebnis hat, etwa an Filme zur Schlacht um Midway. Doch der U-Jagd-Zerstörer der japanischen Seestreitkräfte manövriert nicht gegen, sondern gemeinsam mit amerikanischen, australischen und indischen Kriegsschiffen. Diese Staaten bilden die Quad-Gruppe, den Quadrilateral Security Dialogue. Jedes Jahr führt diese lose Allianz die sogenannten ­Malabar-Marineübungen durch, vor den Küsten der Philippinen und Japans, im Persischen Golf und in der Bucht von Bengalen. Der «böFei» – in der Schweizer Armee einst übliches Kürzel für «böser Feind», seinerzeit der Warschauer Pakt – wird nicht genannt, ist aber bekannt: China. Dessen wirtschaftlicher, politischer und militärischer Aufstieg verschiebt die Kräfteverhältnisse im indopazifischen Raum. Quad und Aukus – der australisch-britisch-amerikanische Verbund – sind Gegendispositive; mehr davon wird folgen, garantiert. Lee Kuan Yew, der frühere Präsident Singapurs und selbst chinesischer Herkunft, sagte schon 1994: Mit China reift nicht einfach ein weiterer Global Player heran, sondern der grösste überhaupt in der Geschichte der Menschheit.