Märkte / Makro

«Man erkennt eine Blase, bevor sie platzt»

Tatjana Greil Castro, Director beim Anleihenhaus Muzinich & Co., fürchtet um die Unabhängigkeit der Zentralbanken. Die Märkte arrangieren sich mit hoher Bewertung.

Frau Greil Castro, hat das Anlagejahr 2020 Sie angesichts der Rahmenbedingungen überrascht?
Ja absolut. Die Antwort der Zentralbanken auf das Virus hat mich in ihrer Schnelligkeit und im Ausmass überrascht. Und dann war ich erstaunt über die Reaktion der Märkte. Noch im Sommer waren die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie ungewiss, und die Wirtschaft war in einer tiefen Rezession, doch die Börsenrally lief unverdrossen weiter. Zum Jahresende hin und insbesondere durch die Ankündigung der Impfstoffe verbesserten sich die Lage und die Aussichten.

«Positiv ist, dass die Krise das Bewusstsein für Umweltthemen geschärft hat.» (Bild: zvg)

Dann haben die Regierungen und die ­Zentralbanken also alles richtig gemacht. Stimmen Sie dem zu?
Wichtig war, dass der Kapitalmarkt für die Unternehmen offen blieb, und das wurde durch das rasche Handeln der Noten­banken und der Regierungen erreicht. Das stabilisierte die Märkte und stellte die Finanzierung der Firmen sicher. Allein die amerikanischen Unternehmen mit Anlagequalität sitzen auf einem Cash-Polster von insgesamt 1 Bio. $. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?