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Manipulationsverdacht gegen Krypto-Börse

Die Kryptobörse Bitfinex wird verdächtigt, mit der Ausgabe einer eigenen Digitalwährung den Bitcoinpreis zu stützen.

Das Angebot an Bitcoin ist begrenzt. Nur einundzwanzig Millionen Einheiten soll es von der Digitalwährung maximal geben – so ist es in den Code von Bitcoin einprogrammiert. Viele Enthusiasten versprechen sich dadurch eine Währung ohne «Manipulation» durch das beliebige Gelddrucken der staatlichen Zentralbanken.

«Doch was wäre, wenn – ironischerweise – Bitcoin ein Problem mit der «Druckerpresse» hat?», fragte der ehemalige Sicherheitsexperte und Marktanalyst Tony Arcieri in seinem Blog vor zwei Wochen.

Gemäss Arcieri könnte es sein, dass der Kurs von Bitcoin und anderen Kryptowährungen durch Stützkäufe hochgehalten wird. Im Verdacht stehen die digitale Valuta Tether und die mit ihr verbundene Börse Bitfinex.

Privatwährung statt Dollar

Eigentlich soll Tether eine Digitalwährung sein, die Stabilität statt Preisvolatilität verspricht: Sie ist eins zu eins an den Dollar gekoppelt. Tether sollen nur neu geschaffen werden, wenn in gleicher Höhe Dollar eingezahlt werden. Die Digitalwährung ist nicht dezentral organisiert wie Bitcoin. Tether ist damit eher eine jederzeit einzulösende digitale Version des Dollars. Doch seit April vergangenen Jahres geht das nicht mehr: Tether sind nicht mehr direkt gegen Dollar eintauschbar.

Gleichzeitig offeriert die Kryptobörse Bitfinex – die den gleichen Geschäftsführer wie Tether hat – nicht mehr den Verkauf von Kryptowährung gegen Tether, sondern nur gegen Dollar. Man kann zwar echte Dollar an die Börse überweisen. Um aber das Geld aus Bitfinex abzuziehen, muss man die Tether erst an einer anderen Börse eintauschen.

Die Marktkapitalisierung von Tether ist stetig gewachsen und beträgt nun 2,2 Mrd. $. Allein über die vergangene Woche ist die «Geldmenge» an Tether über 500 Mio. $ gestiegen. Würde Tether – wie versprochen – eine vollständige Reserve halten, müsste sich auf den Konten entsprechend eine zusätzliche halbe Milliarde Dollar ansammeln.

Seltsame Stützkäufe

Arcieri beobachtet: Es habe immer wieder seltsame Stützkäufe bei Bitcoin gegeben, wenn der Preis nahe dem Zusammenbruch war. Gleichzeitig sei dann die Geldmenge von Tether um 100 Mio. $ nach oben gesprungen. Der Verdacht: Es werden ungedeckte Tether «gedruckt», um den Bitcoinkurs über die Börse Bitfinex zu stabilisieren. «Das stinkt nach Marktmanipulation», schreibt Arcieri.

Nach Medienberichten wurde das Management von Bitfinex und Tether wegen des Verdachts der Kursmanipulation schon im Dezember von der Börsenaufsicht CFTC vorgeladen. Arcieri steht auf jeden Fall nicht allein da mit seinem Verdacht. Gegenüber der «New York Times» erklärte etwa Joey Krug vom Krypto-Hedge-Fund Pantera Capital: «Das könnte heissen, dass ein grosser Teil der Rally im Dezember und Januar nicht echt war.»

Doch solange es keine Beweise gibt, bleibt das Spekulation. Jan Brzezek, CEO von Crypto Finance in Zug, erklärt gegenüber FuW: «Ich glaube nicht, dass jemand Kryptowährungen durch Tether manipuliert. Wahrscheinlich verkaufen viele Anleger eher aus Bequemlichkeit gegen Tether statt Dollar.»

Es sei aber schade, so Brzezek, dass Bitfinex nicht durch ein unabhängiges Audit für Klarheit sorge. Bitfinex hat vergangene Woche der US-Wirtschaftsprüfungsfirma Friedman nach mehreren Monaten das Mandat entzogen.

Doch selbst wenn es Stützkäufe gab, waren sie vielleicht nicht gross genug für einen bedeutenden Effekt, meint Jeremy Gardner vom Risikokapitalgeber Ausum Ventures gegenüber der «New York Times»: «Man kann sich nur schwer vorstellen, dass eine betrügerische Herausgabe von Tether den Bitcoinpreis so stark nach oben hätte treiben können.»

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