Business, Kultur, Sport und Design/Architektur waren die vier Kategorien, für die wir je vier Persönlichkeiten nominiert hatten, die mit ihrem Engagement und ihrem Erfolg überzeugten. Wir legten dabei Wert auf die Ausgewogenheit Deutschschweiz-Romandie, da «Luxe» in beiden Landesteilen erscheint (die französischsprachige Ausgabe mit dem Wirtschaftsmagazin «Bilan»).

Die Jury aus Vertretern von Medien, Kultur und Wirtschaft hat schliesslich vier Gewinner gewählt, die mit ihrer Brillanz die Aktualität in unserem Land geprägt haben. Wir haben die «Männer des Jahres» zu einem exklusiven Gespräch getroffen, um mehr über ihre Ideen und ihre Erfolgsmotivation zu erfahren.

Sieger im Bereich…
» Architektur: Bujar Nrecaj
» Business: Sergio Ermotti
» Sport: Sébastien Buemi
» Kultur: Dieter Meier

Bereich Architektur: Bujar Nrecaj

Was bedeutet diese Nomination für Sie?
Es ist für mich eine Ehre. Und die Nomination hilft vor allem, das Projekt der Bunateka, für das ich nominiert wurde, international bekannt zu machen: eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche, die sonst kaum Möglichkeiten zum Lesen haben, dort hinzustellen, wo sie spielen und keine Berührungsängste haben: auf ihren Schulhof.

Bis heute gibt es in Ihrer Heimat Kosovo acht Ihrer Schülerbibliotheken. Es sollen noch mehr werden?
Natürlich, man kann sie überall auf der Welt aufstellen, wo Jugendliche keine Möglichkeit haben, eine Beziehung zu Büchern zu entwickeln.

Wie kam es zur Idee?
Ich wusste schon als Bub in dem Dorf in der Nähe von Prizren, dass ich hier einmal einen Beitrag leisten und schönere Häuser bauen wollte. Das liess mich nie los, auch nicht während meiner Ausbildung und meinen späteren Arbeitsstellen als Architekt in der Schweiz. Als es dann 2008 hiess – ich war gerade an einem Projekt, das der Architekt Edoardo Souto de Moura für den Novartis-Campus baute –, der Kosovo werde sich unabhängig erklären, spürte ich: Da muss ich dabei sein! Und am 17. Februar 2008, am Tag der Unabhängigkeitserklärung, ging ich hin.

…und trafen eine grosse Euphorie des Neubeginns!
Ja es war eine riesige Freude bei den Menschen. Jeder glaubte, jetzt wird etwas Neues, Gutes geschehen. Aber kaum einer unternahm etwas dafür. Ich habe versucht, die Euphorie in etwas Konkretes umzusetzen und habe meine Idee der Schulbibliothek ausgearbeitet, einen Pavillon aus Holz und Glas, der in der Realisierung rund 20 000 € kostet. Inklusive die Bücher. Ich sprach im Freundeskreis über mein Projekt, über Träume, die Zukunft, kritisches Denken, über die Entwicklung dieser Gesellschaft – die meisten sagten: Du bist ein Träumer, wer will schon Bücher lesen, das kannst du nie realisieren. Genau das liess mich noch stärker an die Idee glauben.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen?
Inzwischen ist es integriert und funktioniert. Aber zuerst ging ich ein Jahr lang mit Projekt und Modell in Pristina zu den Ministerien und von Botschaft zu Botschaft – im Kosovo zählt etwas oft mehr, wenn es aus Westeuropa kommt. Schliesslich hat der norwegische Botschafter zugesagt, die erste Schülerbibliothek zu finanzieren, nachdem alle anderen abgewinkt hatten. Ich habe gelernt: Wenn du keine Träume hast, hast du auch nichts zu verwirklichen! Wenn man von etwas voll und ganz überzeugt ist, kann man es realisieren. Und hier ist es! Die Freude darüber ist ein Luxus, den mir niemand nehmen kann.

Sie bauen ja auch in der Schweiz. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Ländern bei Ihrer Arbeit?
Architekten experimentieren gern. Dazu hat man im Kosovo mehr Möglichkeiten als in der Schweiz, wo es mehr Einschränkungen gibt. Dort gibt es weniger Vorschriften, das Klima ist anders, da probiert man gerne mal etwas Neues aus. Das Potenzial in einem Land im Aufbau wie dem Kosovo erlaubt, ein Thema neu zu denken.

Ist es auch für Unternehmer aus dem Ausland einfacher, dort zu investieren?
Einfacher nicht wirklich. Aber es gibt dort noch sehr viel Potenzial, es ist noch alles möglich. Nur müsste von den Politikern noch sehr viel kommen, um dieses Potenzial auch wirklich zu nutzen und ausbauen zu können. Leider haben es viele von ihnen bisher versäumt, für die kreative Kraft im eigenen Land Raum zu schaffen. Es sind nicht nur die günstigen Arbeitskräfte, die westliche Investoren anlocken können. Es sind auch die Köpfe, die brachliegende Kreativität, die Energie dieser jungen Gesellschaft, die Lust darauf hat, etwas zu machen. Letztes Jahr haben zum Beispiel fünf junge Leute aus Pristina den Nasa Space Apps Challenge gewonnen.

Das Hotel Gračanica ist auch ein Projekt mit ideellen Zielen.
Die Initiative kam vom Schweizer Unternehmer Andreas Wormser, der im ersten diplomatischen Büro der Schweiz im eben erst gegründeten Staat Kosovo für die Rückkehr der Flüchtlinge zuständig war. Er wollte ein Hotel mit Romas bauen um Touristen das Land näherzubringen. Das fand ich super – man findet selten Bauherrschaften, die klar wissen, was sie mit welchem Projekt erreichen wollen. Zu Beginn war ich skeptisch, auch weil das Hotel in Gračanica stehen sollte, einer serbischen Enklave im Kosovo, und die Serben waren ja seit Jahren und besonders nach dem Kosovo-Krieg unser Feindbild Nummer eins. Ich musste mir selber im Klaren sein: kann ich das? Will ich das? Das Ganze hatte für mich einen starken politischen, aber auch emotionalen Aspekt. Ich habe alles analysiert und sah: Das kann eine Perle werden! Die Idee ist toll, die Natur wunderbar und gleich vor dem Gelände liegen die Ruinen von Ulpiana begraben, der seinerzeit zweitgrössten römischen Stadt im Balkan. Inzwischen haben Archäologen damit begonnen, diese Stadt freizulegen. Schliesslich habe ich mich entschieden, das Projekt zu machen und es wurde wirklich wunderbar, auch für mein Land.

Sie haben dort ein veritables Designhotel hingestellt.
Ich wollte Räume schaffen, die zusammen mit der Umgebung ein Erlebnis sein sollten. Meine Architektur soll immer eine Geschichte erzählen. Vor allem reizte und freute mich, dass da nicht einfach ein reicher Investor kam und sagte: stell mir ein Superhotel hin. Sondern weil es ein Projekt war mit Romas für Romas, einer Minderheit. Es wurde ein multiethnisches, idealistisches Projekt, eine Art Friedensprojekt, in dem bis heute Albaner, Serben, Romas und Schweizer gut zusammenarbeiten. Entgegen aller vorherigen Skepsis, ob diese oft «verfeindeten» Ethnien zusammen funktionieren. Das Projekt Hotel Gračanica ist für mich ein Stück Schweiz mitten im Kosovo, mit aller Hospitality, dem Komfort und Design, die wir auch in der Schweiz schätzen.

Wo ist Ihre Identität? In der Schweiz oder im Kosovo?
(langes Überlegen) … ich bin beides, beides ist mir sehr wichtig, ich identifiziere mich mit dem Hier und mit dem Dort. Den Sinn fürs Praktische finde ich in der Schweiz, die Emotionen hole ich mir von dort. In der Mitte zwischen beiden zu stehen, gibt mir ein Gefühl der Stärke.

 

Bereich Business: Sergio Ermotti

Die UBS hat die Turbulenzen im 2016 verhältnismässig gut überstanden. Wie sieht Ihre Bilanz des laufenden Jahres aus?
Das Jahr ist zwar noch nicht zu Ende, aber es entpuppte sich entgegen unserer Annahmen vor zwölf Monaten als viel komplizierter. Wobei unsere damaligen makroökonomischen Prognosen keineswegs günstig und schliesslich doch zu optimistisch waren. Es gab einen Rückgang des globalen Wachstums, die Einführung der Negativzinsen in Europa, eine grosse Unsicherheit in Zusammenhang mit dem geopolitischen Umfeld, Rechtsstreitigkeiten – vier Elemente, die die Psychologie der Märkte und der Kunden beeinflussten und weiterhin beunruhigen. Ich bin mit unseren Ergebnissen und der rigorosen Umsetzung unserer Strategie zufrieden. Allerdings gilt es, diese unter einem relativierenden Gesichtspunkt und in einem beunruhigenden Kontext zu betrachten.

Welches ist heute das Profil des idealen Bankers?
Ich denke nicht, dass sich der heutige Banker gross vom gestrigen unterscheidet. Er gehörte nie zu den beliebtesten Personen, oft aber zu den meist respektierten. Viele Fehler und Irrtümer haben Respekt und Vertrauen untergraben. Heute gewinnen wir diese in kleinen Schritten zurück.

Und die ideale Bank von morgen?
Sie muss über eine solide Vermögenssituation verfügen, dem Kunden Sicherheit vermitteln, sie muss ihre finanziellen Ressourcen effizient bewirtschaften, und zwar nicht nur bezüglich Kosten, sondern auch hinsichtlich Kapital und Liquidität. Die Bank muss fähig sein, Risiken des Marktes, aber auch der Reputation abzuwägen. Wenn sie diese Bedingungen nicht erfüllt, ist es schwierig, als vertrauenswürdiges Institut angesehen zu werden. Ich würde zudem noch drei Elemente anfügen, nämlich Kompetenz und nachhaltige Performance – zugunsten der Kunden und Aktionäre – sowie die Haltung, mit der sie diese Kompetenzen ausübt: Integrität als unabdingbarer Teil der Unternehmenskultur. Schliesslich muss die Bank von morgen die Avantgarde in der Nutzung der Technologien sein.

Das Vertrauen des Kunden: Ein Ideal, das sich auf digitale Akteure überträgt, welche die Banken der traditionellen Kundenbindung berauben?
Nein. Mit Blick auf die vergangenen vierzig Jahre war der Finanzsektor zwar einer der ersten, der neue Technologien nutzte. Heute sind wir die grossen Anwender. Selbst wenn der technologische Wechsel extrem schnell vor sich geht, wird er nicht sofort umgesetzt. Ich stelle dies in unserem Alltagsgeschäft fest. Heute beschäftigen wir uns mit der Technologie 4.0, aber eigentlich sind es die gleichen Diskussionen, die wir in den 1990er-Jahren führten, als wir über Internet und den Umgang damit redeten. Technologie ist kein Big Bang, der über Nacht eintrifft. Es ist eine Evolution, an der wir teilnehmen und zu welcher wir einen aktiven Beitrag leisten. Denn die Fintechs brauchen Kunden und Inhalte. Es sind Kanäle, die alimentiert werden müssen.

Zürich und Genf sind im jüngsten Global Financial Centre Index auf rückläufiger Position, während London, New York, Singapur oder Hongkong als massgebende Finanzplätze eingestuft werden. Wird die UBS vermehrt auf diese Zentren setzen?
Zürich und Genf sind für unsere in- und ausländischen Aktivitäten von strategischer Bedeutung. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Wir sind eine Bank, die eine starke schweizerische Identität behalten will, gleichzeitig ist die UBS eine globale Bank und Leader im Wealth Management Private Banking. Der Grund, weshalb andere Finanzplätze schneller wachsen, liegt in der Entwicklung des globalen Wachstums. Asien und Amerika schaffen Wohlstand, Europa schrumpft. Für die Schweiz bedeutet dies das Risiko einer geringeren Globalität. Dazu kommt, dass im Management des Finanzplatzes Schweiz viele Fehler gemacht wurden. Viele glauben, das Erreichte sei die Normalität und vergessen, dass in Jahrzehnten Geschaffenes sehr schnell verloren gehen kann.

Ist, wer Erfolg haben will, besser disruptiv oder idealistisch?
Idealismus definiert sich prioritär aufgrund von Kriterien der Ethik und der professionellen Kompetenz. Diese sind unabdingbar. Wenn Disruption bedeutet, diesen Parameter zu vernachlässigen, so ist diese für mich keine Option. Im Gegenzug muss man ab einem bestimmten Level das Spiel und dessen Regeln beherrschen. Man muss bereit sein, ein nicht mehr funktionierendes Business aufzulösen oder neu zu dimensionieren. In der Geschäftswelt ist es gefährlich, einem Ideal anzuhängen und die Realität zu ignorieren.

Welches sind Ideale, die Sie in Ihrem Leben aufgegeben haben? Und welche haben Sie gefunden, an die Sie ursprünglich nicht gedacht haben?
Ich glaube, ich habe stets gemäss meinen persönlichen Idealen gelebt. Ich hatte das Glück, in meiner Arbeit schnell eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Ich war also nie Geisel dieser Dynamik, konnte somit stets handeln und vor allem sagen, wie und was ich dachte. Vielfach musste ich einen Preis dafür bezahlen, bei bestimmten Beziehungen oder Political Correctness. Aber langfristig und trotz Kollateralschäden erwiesen sich diese ehrlichen Meinungsäusserungen als sehr positiv. Aber ich gebe zu, in meiner heutigen Position beisse ich mir öfter auf die Zunge als früher. (lächelt)

Welches sind die idealen Bedingungen, um Innovation zu generieren?
Man soll niemals glauben zu wissen, wie die Zukunft in fünf bis zehn Jahren aussieht. In der Innovation kommt es vor allem darauf an, flexibel zu sein, um bei Änderungen schnell handeln zu können. Im Weiteren muss man offen sein für andere Realitäten. Dies war auch der Grund, weshalb wir letztes Jahr 600 Fintechs zu einer gemeinsamen Initiative luden, denn wir sind uns bewusst, dass in unserem Business die Mitarbeitenden nicht allein agieren können. Mit diesen 600 Fintechs haben wir statistisch grössere Erfolgschancen.

 

Bereich Sport: Sébastien Buemi

Ist ein Weltmeister ein perfekter Mensch?
Natürlich nicht. Mein Ziel ist es, sowohl im Sport als auch im Privatleben weiterzukommen. Besser zu werden, bedeutet harte und kontinuierliche Arbeit.

Wo ist es schwieriger: im privaten oder sportlichen Bereich?
In beiden. Sport ist für mich zwar sehr wichtig, das gelungene Privatleben (Sébastien Buemi ist seit Februar Vater eines Sohns, Anm. d. Red.) hat aber absoluten Vorrang. Auch meine Haltung ist nicht dieselbe. In Bezug auf meine Leistung als Rennfahrer gehe ich möglichst keine Kompromisse ein, um besser zu werden.

Bis Leistung zur Obsession wird?
Erfolg im Automobilrennsport ist ein Gesamtpaket. Um zu gewinnen, braucht es ein gutes Fahrzeug und einen guten Fahrer. Ein sehr guter Pilot in einem schlechten Auto funktioniert nicht, umgekehrt ebenso wenig. Es braucht die gute Kombination. Das Niveau ist sehr hoch. Selbst wenn man das Gefühl hat, sehr gut zu sein, gibt es immer noch etwas, das man besser machen kann. Vielleicht bin ich tatsächlich leistungsbesessen. Als Pilot ist man stets auf der Suche nach der unmöglichen Perfektion. Mit der Zeit wird es zur Obsession. Konkurrenzfähig zu sein, heisst, sich nie zufriedenzugeben, immer mehr zu wollen.

Im Team hängen Sie von vielen Leuten ab. Wie gibt man den Gewinnergeist weiter?
Indem man sich mit guten Leuten umgibt. Es ist Teil der Arbeit des Piloten zu wissen, wie man eine Gruppe zusammenschweisst, um vom Team das Maximum zu bekommen. Die Herausforderung besteht darin, so weit zu kommen, dass jeder über sich hinauswächst.

Haben Sie ein Rezept dafür?
In meinem Sport steht der Pilot ständig im Rampenlicht, im Gegensatz zu den Ingenieuren und Mechanikern, die ebenso wichtig sind. Es sind kleine Gesten, mit denen man die Mechaniker zu einem noch grösseren Einsatz anspornen kann, auch wenn sie dadurch erst später nach Hause gehen können. Es ist zum Beispiel wichtig, die Leute am Morgen persönlich zu begrüssen oder ihnen einen schönen Abend zu wünschen. Das braucht etwas Zeit, aber selbst kleine Zeichen zahlen sich aus. Man darf nicht vergessen, dass etwa die Mechaniker keine grossen Saläre beziehen. Damit sie sich ein Bein ausreissen, sich ganz für dich einzusetzen, muss die Beziehung gut sein. Aber das ist natürlich noch nicht alles.

Zum Beispiel?
Es gilt, die Mitarbeiter zu führen. Und weil man bei einem Auto sehr viel perfektionieren kann, muss man Prioritäten setzen. Ansonsten verzettelt man sich und erhält so nicht eine wirklich bessere Leistung.

Sie sind Weltmeister der Formel E, der sauberen Rennautos also. Ist Ökologie eines Ihrer Ideale?
Ja, wobei ich mich nicht als strammen Umweltschützer bezeichnen würde. Ich glaube, es ist Aufgabe jedes Einzelnen, seinen Lebensstil zu überwachen.

Die Formel E ist nicht Ihr einziges Gebiet. Sie sind auch in Langstreckenrennen aktiv und arbeiten als Formel-1- Testfahrer.
Das ist eine Herausforderung. Ich bin zeitlich sehr beansprucht. Im Moment geht das gut, denn die FIA bemüht sich, die Meisterschaftstermine nicht kollidieren zu lassen. Ich hoffe, dies ist auch weiterhin der Fall.

Ist es einfach, von einer Kategorie zur nächsten zu wechseln?
Am Anfang ist es ziemlich kompliziert. Denn man gewöhnt sich an ein Auto, an die Körperstellung, an das Lenkrad, an die zahlreichen Abläufe. Dann ist alles anders. Aber man passt sich schnell an.

Welches ist die anspruchsvollste Kategorie?
In Bezug aufs reine Fahren eindeutig das Elektroauto wegen des Ungleichgewichts, denn die Batterie ist im hinteren Teil eingebaut. Sie ist sehr schwer, da sie viel Leistung erbringen muss. Das ist im Automobilsport sehr ungewöhnlich, denn in den anderen Kategorien sucht man die Ausgewogenheit, indem das Gewicht hälftig vorn und hinten verteilt ist.

Also nicht die F1, wo die Geschwindigkeit ja viel höher ist?
Nein. Dennoch: Die Formel 1 ist und bleibt die Königskategorie. Diese Rennen stehen im Mittelpunkt der Medien, die Spitzengeschwindigkeiten sind sehr hoch, der Einfluss der Aerodynamik ist gross. Aber es macht wenig Sinn, Formel E und Formel 1 zu vergleichen, die beiden haben nichts miteinander zu tun.

Weshalb?
Die Konzepte sind verschieden. Natürlich wäre es möglich, die Formel E schneller zu machen, aber das ist nicht das Ziel. Es ist Absicht der FIA, dass diese Kategorie als Labor für den «power train» funktioniert, nämlich für die Entwicklung von Elektromotor, Getriebe und allem, was mit dem Antrieb in Verbindung steht. Es wird mehr Geld in die Elektrotechnologie als in Aerodynamik oder Gewicht investiert. Ziel ist der Wissenstransfer auf die Personenfahrzeuge. Man gibt also nicht Geld aus, um irgendwelche Spoiler einzubauen.

Möchten Sie in die F1 zurück?
Warum nicht? Aber es müsste eine gute Gelegenheit geben. Ich möchte nicht in die Formel 1 zurück, nur um sagen zu können, dass ich einige Rennen absolviert habe. Das Projekt muss gut sein. Leider gibt es heute nicht viele Rennställe, die finanziell wirklich gesund sind. Ich bin mit meiner aktuellen Situation sehr zufrieden. Doch sollte sich ein schönes Angebot ergeben, würde ich es natürlich prüfen.

 

Bereich Kultur: Dieter Meier

Wie würden Sie sich definieren?
Ich bin Produzent. Ich stelle viele Dinge her, darunter Uhren (Dieter Meier war Besitzer der Marke Ulysse Nardin, die er 2014 an die Kering-Gruppe verkaufte, Anm. d. Red.), Schokolade, Wein, argentinisches Rindfleisch, Honig, Mandeln, Nüsse, Kaffee. Ich kreiere Kunstwerke, Musik, schreibe Drehbücher und Romane.

Vierzig Jahre nach Ihrem Debüt haben Sie vor kurzem mit Ihrem Weggefährten Boris Blank ein Album herausgegeben.
Toy ist Ende September erschienen. Es ist unser dreizehntes Album und enthält alternierend Songs und Instrumentales, unkonventionellen Pop.

Yello stand kürzlich erstmals auf der Bühne.
Boris Blank und ich sind noch nie live aufgetreten. Vor 35 Jahren gab es eine kleine Präsentation unserer Gruppe vor einem Publikum in New York, das mehrheitlich aus Afroamerikanern bestand, die wegen des Sounds unserer Platte dachten, wir wären avantgardistische schwarze Künstler von der Ostküste der USA. Als wir schliesslich auf der Bühne standen, konnte niemand glauben, dass wir Schweizer waren.

Sie stehen nicht gerne auf der Bühne?
Ich persönlich habe immer gerne für mein Publikum auf der Bühne gespielt. Deshalb gründete ich vor ein paar Jahren die Gruppe Out of Chaos. Wir gaben etwa vierzig Konzerte. Boris Blank hat sich nie gerne in der Öffentlichkeit gezeigt. In Berlin war er ausnahmsweise damit einverstanden, denn wir konnten unsere elektronische Musik simultan mit einem Dutzend Live-Musikern aufführen. Angesichts des Erfolgs dieser vier Konzerte haben wir beschlossen, demnächst auf Welttournee zu gehen.

Werden Sie weiterhin mit anderen Musikern arbeiten?
Wir haben für die Alben von Yello stets mit Gastsängern gearbeitet. Die berühmteste war Shirley Bassey. In Berlin traten wir mit der Chinesin Fifi Rong und mit Malia aus Malawi auf, zwei wunderbaren Sängerinnen.

Wer komponiert die Alben?
Tatsächlich verbringe ich sehr wenig Zeit damit, Musik zu machen. Boris ist da viel stärker als ich engagiert. Er bezeichnet sich als Klang-Maler und liebt es, gleichzeitig siebzig bis achtzig tönende Bilder zu malen. Deshalb nimmt er sich lange Zeit, ein Album zu produzieren. Wir müssen jedes Mal Stücke aus Dutzenden Werken auswählen. Meine Arbeit ist fantastisch, denn ich bin Gast seiner klingenden Bilder. Boris komponiert nicht, er kreiert ein Klanguniversum. Ich steuere dann Texte und Melodien bei. Dies geht sehr schnell, mehr als einen Tag brauche ich jeweils nicht dazu.

Was für ein Sänger sind Sie?
Am Anfang meiner Karriere habe ich nicht wirklich gesungen, ich war eher ein avantgardistischer Rapper. Später komponierten wir Melodien, unsere Songs wurden konventioneller, selbst wenn unsere Musik nach wie vor recht ungewöhnlich ist.

Sie haben auch eine Ausstellung in Berlin?
Ja, während mehr als dreissig Jahren fotografierte ich mich selbst in der Verkleidung diverser Figuren, für die ich Biografien ausdachte. Diese Fotos werden bis Ende November in der Galerie Judin gezeigt. Ich hatte das Glück, mehrmals in Deutschland ausstellen zu können. Erstmals 1972 an der Documenta, der weltweit wichtigsten Kunstmesse, die alle vier Jahre in Kassel stattfindet. Ich hatte damals eine Performance kreiert, die mich 22 Jahre später wieder an den gleichen Ort zurückführen sollte. Ich stand auf einer Metallplatte und Hunderte Leute, darunter der Bürgermeister der Stadt, schauten mich neugierig an.

Gibt es auch Ausstellungen in der Schweiz?
Hier werde ich von der Zürcher Galerie Grieder Contemporary vertreten, die für 2017 eine nächste Ausstellung plant.

Erzählen Sie uns etwas von Ihrem Schokoladenprojekt.
Wir haben ein Verfahren entwickelt, bei dem der Kakao kalt extrahiert wird, was es erlaubt, Schokolade ohne künstliche Aromen herzustellen. Wir sind die Ersten, die diese Methode anwenden, die der Schokolade einen aussergewöhnlich intensiven Geschmack verleiht. Sie ist in der Schweiz ab Februar 2017 unter der Marke «Oro di cacao» im Handel.

Sie sind seit langem Anhänger der biologischen Landwirtschaft. Ein Ideal?
Als ich vor rund zwanzig Jahren Argentinien entdeckte, hatte ich den Wunsch, biologische Landwirtschaft zu betreiben und Wein und Fleisch zu erzeugen. Ich erwarb in Patagonien am Rio Negro 15‘000 Hektaren Land, wo ich seit kurzem auch Baum-, Hasel- und Pekannüsse produziere. Wir können eine pestizidfreie Landwirtschaft praktizieren, da es wegen des heissen Klimas weder Bakterien noch Pilze gibt. Und dank dem Rio Negro werden die Pflanzen genügend bewässert. Ideal, um Früchte dieser Art zu ziehen.

Planen Sie, eines Tages auch in einen Weinberg in Europa zu investieren?
Ich besitze Rebberge auf Ibiza, wo ich auf 500 m ü. M. Wein keltere. Ich bin der Erste, der auf der Insel auf dieser Höhe Wein anbaut.

Welches sind Ihre anderen Passionen?
Ich bin ein grosser Golffan. Schon als Kind spielte ich jeweils im Garten. Weil dies meinen Eltern zu gefährlich war, schrieb ich mich als Achtjähriger ganz allein in einem Club ein. Der Direktor lachte zuerst, erlaubte mir dann aber, für 50 Franken Mitglied zu werden. Später konnte ich mit der Junioren-Nationalmannschaft spielen. In Argentinien übe ich auf Poloterrains. Golf ist die einzige von den Europäern erfundene Disziplin, die Zen ist. Ich liebe es, am Ende eines Tages allein zu spielen, denn dann kann ich mit meinem Swing Zwiesprache halten.