Meinungen

Mario Draghi bleibt wachsam

Die EZB hält trotz guter Konjunkturaussichten an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik fest. Ein Kurswechsel zeichnet sich nicht ab. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Tina Haldner.

«Für die EZB wird es zunehmend schwierig, die extrem expansive Geldpolitik zu rechtfertigen.»

Die europäische Wirtschaft entwickelt sich so gut wie seit der Eurokrise nicht mehr. Dennoch hält die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Das hat EZB-Chef Mario Draghi heute an der Pressekonferenz zum Zinsentscheid klargemacht.

Zwar zeigte sich Draghi erfreut darüber, dass die Konjunkturerholung in den vergangenen Monaten Tritt gefasst hat. Die freundlicheren Aussichten spiegeln sich aber kaum im geldpolitischen Beschluss.

So erwartet der EZB-Rat nach wie vor, dass die Risiken für eine Eintrübung der Wachstumsprognosen überwiegen. Auch hält er sich die Option für eine weitere Zinssenkung explizit offen und will das Anleihenkaufprogramm wie geplant weiterführen. Solange die EZB aber an diesen Formulierungen festhält, ist an einen Kurswechsel in der Geldpolitik nicht zu denken.

Draghi beschränkte sich vorerst auf minimale Zugeständnisse. So erklärte er, die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wachstumsaussichten tatsächlich eintrüben, sei gesunken. Zudem erwartet er nicht, dass die EZB die Zinsen noch einmal senken wird.

Die zögerliche Haltung erklärte der Notenbankchef mit der Entwicklung der Inflation. Die Jahresteuerung ist im Februar zwar auf 2% gestiegen und hat damit erstmals seit vier Jahren die Zielmarke der EZB leicht überschritten. Es gebe aber keine überzeugenden Anzeichen für einen breit abgestützten Preisauftrieb, erklärte Draghi. Die steigende Inflation sei vor allem die Folge der höheren Energiepreise. Damit die EZB ihr Mandat – die Wahrung der Preisstabilität – erfüllen könne, müsse sie den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen.

In der Tat verharrt die Kerninflation in der Eurozone auf niedrigem Niveau. Eine Reaktion auf die ersten Erfolge scheint daher nicht angezeigt.

Dennoch wird es für die EZB zunehmend schwierig, die extrem expansive Geldpolitik zu rechtfertigen. Sie hatte das Anleihenkaufprogramm vor zwei Jahren beschlossen, um den Deflationstendenzen entgegenzuwirken. Diese Gefahr ist mittlerweile gebannt.

Setzt sich die Erholung der Eurozone fort, wird der Druck auf die EZB steigen, die lockere Geldpolitik zu drosseln.

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