Meinungen

Mario Draghis Macht

Zwei Jahre sind seit der mittlerweile legendären «Whatever it takes»-Rede des EZB-Chefs vergangen. Trotzdem: Draghi hat bloss Zeit gekauft, kommentiert FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Wird die Zeit nicht genutzt, bricht die Eurokrise früher oder später mit Wucht wieder aus.»

Es waren 33 Worte, die die Finanzwelt veränderten. Am 26. Juli 2012 sagte Mario Draghi in einer Rede in London, er werde alles Nötige unternehmen, um das Überleben des Euros sicherzustellen. «Und glauben Sie mir», fügte der Chef der Europäischen Zentralbank an, «es wird genügen.»

Das war vor zwei Jahren. Die Rede ist eines der beeindruckendsten Beispiele für die Macht einer Zentralbank, wenn sie kompromisslos auftritt. Fast auf den Tag genau lässt sich rückblickend die Entspannung der Eurokrise feststellen. Seit Juli 2012 sinken die Bondzinsen an der Europeripherie, die Aktienkurse der europäischen Banken steigen. Das verbale Versprechen von Draghi genügte; Taten musste die EZB bis heute nicht folgen lassen.

Nun stellt sich die Frage: Reicht das? Die Politiker der Eurozone haben in den vergangenen Jahren während Entspannungsphasen an den Finanzmärkten immer nach dem gleichen Muster gehandelt: Sie klopften sich gegenseitig auf die Schultern und gaben sich der Illusion hin, die grundlegenden Probleme der Währungsunion seien gelöst.

Das ist auch jetzt der Fall. Europas Bankensystem ist nach wie vor in einem erschreckend unterkapitalisierten Zustand – wobei immerhin die Hoffnung besteht, dass der von der EZB derzeit durchgeführte Stresstest schonungslos ist und schwache Banken gezwungen werden, ihre Kapitaldecke zu stärken.

Einige Peripherieländer, zum Beispiel Spanien, kommen derweil mit ihren Strukturreformen zwar voran, aber der Weg ist weit. Andere, wie Frankreich oder Italien, haben sich noch kaum bewegt.

Angesichts der Sorglosigkeit an den Finanzmärkten darf daher nie vergessen werden: Draghi hat bloss Zeit gekauft. Wird sie nicht richtig genutzt, wird die Eurokrise früher oder später mit Wucht wieder ausbrechen.

 

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