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Mark Branson gibt sich für Libra-Projekt offen

Der Finma-Chef hat an der FuW-Konferenz «Blockchain in Financial Services» über digitale Währung gesprochen. Dabei betonte er, dass neue Projekte im Finanzsystem zu begrüssen sind.

(AWP) Der oberste Schweizer Finanzaufseher Mark Branson zeigt sich offen für «Stablecoin»-Projekte wie das geplante «Facebook-Geld» Libra. «Es gibt keine inhärenten Gründe, dass solche Zahlungssysteme nicht ebenso gut wie traditionelle Systeme funktionieren», sagte Branson an einer Konferenz.

Zum «Libra»-Projekt habe es seit der Lancierung sehr viel Polemik und Kritik gegeben, erinnerte Finma-Direktor Branson am Donnerstag in einem Referat an der FuW-Konferenz «Blockchain in Financial Services» in Rüschlikon. Das in Genf angesiedelte Libra-Projekt hat bei der Finma ein Gesuch für eine Bewilligung als Zahlungssystem eingereicht.

Bei der Rolle der Finanzmarktaufsicht Finma gehe es aber um die Ausgestaltung des Projekts, betonte Branson. «Die Finma hat keine Verantwortung für die Währung wie eine Zentralbank.» Im Vordergrund stehe für die Aufsichtsbehörde die Sicherheit der Anwender und die Integrität des Finanzsystems. Dabei gehe es um Kriterien wie Sicherheit, Befolgung der Compliance-Regeln – also etwa Vermeidung von Geldwäscherei – oder Kundenschutz.

Hohe Sicherheit

Bezüglich Sicherheit könnten die Bilanzen von Stablecoin-Anbietern sogar mit mehr Sicherheit ausgestattet werden als diejenigen von traditionellen Anbietern, sagte Branson. Libra etwa will laut Angaben vom vergangenen Frühling mehrere digitale «Coins» herausgeben, die an Währungen wie den Dollar oder den Euro gekoppelt sind und dabei vollständig von entsprechenden Währungsreserven gedeckt sind.

Auch bezüglich «Compliance» gebe es keinen Grund, dass die Blockchain-Technologie die Zahlungsströme nicht genauso gut verfolgen könne wie das traditionelle Zahlungssystem, sagte Branson. Er erinnerte zudem daran, dass auch das traditionelle Zahlungssystem – und nicht zuletzt das Bargeld – sehr anfällig auf Geldwäscherei sei: «Es kommt ja immer wieder zu Skandalen und Problemen.» Schliesslich dürfte ein «Stablecoin» auch den Kundenschutz ebenso gut ausgestalten können wie heutige Systeme, so der Finma-Chef.

Revolution bisher ausgeblieben

Grundsätzlich seien neue Projekte im Finanzsystem zu begrüssen, betonte Branson: Kunden seien heute gerade beim grenzüberschreitenden Zahlungssystem sehr schlecht bedient. Hier gebe es viel Intransparenz und lange Wartezeiten. «Konsumenten sind heute Instant-Dienstleistungen wie Streaming oder Online-Shopping gewohnt.» Dazu kämen sehr hohe Gebühren für Überweisungen gerade etwa in Entwicklungsländer.

Ob sich gerade «Stablecoins» oder generell die Blockchain-Technologie durchsetzen würden, könne die Finma derweil nicht beurteilen. Für ihn gebe es noch keinen Beweis, dass diese Technologie wirklich die Welt «revolutionieren» werde, sagte Branson: «Bisher fehlt ein echtes Leuchtturm-Projekt.»

Allerdings sollte der Entscheid darüber nicht bei der Aufsichtsbehörde liegen, so Branson. «Als Behörde weiss man nicht, welche Innovation sich durchsetzen wird, man muss aber den Weg dafür frei machen.» Am Ende würden ohnehin die Kunden über diese Frage entscheiden – und damit auch darüber, ob «Libra» auch künftig noch ein wichtiges Wort in der Finanzbranche oder «nur wieder ein Sternzeichen» sein werde.

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