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Markttechnik: Mit Verkaufslimiten arbeiten

Roland Vogt

Die Kursentwicklung von Richemont stagniert seit drei Monaten. Dabei bildete sich eine flache, tendenziell dreiecksförmige Struktur aus. Triangles sind während Konsolidierungen öfters anzutreffen. Ist die Zeit reif, werden diese in Richtung des vorhergehenden Trends verlassen. Richemont müssten dann bis etwa 100 Fr. vorstossen.

Trotz dieses positiven Schlusses drängt sich kein strategischer Kaufentscheid auf: Das Risk-Reward ist mit 0,67 zu wenig ausgeprägt. Einen möglichen Fehler, der mit einem Stopp zu begrenzen wäre, könnten wir erst knapp unterhalb von 90 Fr. erkennen. Bis dahin müssten wir dem Titel Spielraum lassen. Den würde er bestimmt auch nutzen, denn im Augenblick ist seitens der Momentumwerte kein Hinweis für einen baldigen Exploit zu erkennen.

Richemont

Eine Analyse ist eine Situationsabklärung. Aus ihr lässt sich eine Strategie entwickeln, daraus dann eine Empfehlung. Diese wiederum hängt vom zu bezahlenden Preis und der qualitativen Änderungen seit der letzten Beurteilung ab. Wir staunen deshalb immer wieder über Analysen, die vornehmlich Stopps und Preisangaben umfassen, die Situation aber nicht qualitativ erfassen.

Zwar könnten Richemont auch jetzt gekauft werden, mit engem Stopp. Allerdings werden wir nicht aus Courtagen bezahlt, auch sind die Erfolgsaussichten gering. Wir würden die nächsten zwei bis drei Wochen abwarten. Wenn die in den Indizes anstehende Konsolidierung vorüber ist und Richemont sich dann am unteren Rand des Triangles befinden, sind sie ein sehr heisser Kaufkandidat.

Adecco

Adecco sind ein Verkaufskandidat. Ansteigende Dreiecksstrukturen, also Wedges, entstehen immer im letzten Teilstück eines Trends. Die obere Begrenzungslinie einer Wedge ist deshalb flacher als die untere, weil die Trenddynamik abnimmt. Das wird oft deshalb nicht bemerkt, weil die Kursschwankungen im Mehrtagesbereich gleichzeitig grösser werden und jüngste Kursänderungen grösseren Einfluss auf die Wahrnehmung haben als weiter zurückliegende.

Das Aufwärtsmomentum nimmt ab, weil die Trendsättigung zugenommen hat. Der Kursverlauf wird instabiler und der Nachfrageüberhang lässt sich durch kursbelastende Ereignisse immer einfacher ausgleichen. Mit entsprechend hoher Reife und Ambivalenz kippt diese Konstellation. Adecco dürften sich unweit dieses Zustands befinden. Die Frage ist, wie darauf zu reagieren ist. Optimisten setzen eine Verkaufslimite um 69.50 Fr., was noch in Wedge-Reichweite liegt. Pessimisten verkaufen und Pragmatiker setzen auf ein gemischtes, auch zeitlich gestaffeltes Vorgehen. Roland Vogt www.invest.ch

Die Meinung des Autors muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.

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