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Massgeschneidert

Der Umbau von Nestlé nimmt Formen an. Die Aktien steigen und steigen. Doch der Schneider-Effekt ist nicht ausgereizt. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Im Moment passt bei Nestlé jedes Puzzleteil zum anderen.»

Nicht einmal zweieinhalb Jahre ist Mark Schneider im Amt. In dieser recht kurzen Zeit hat der CEO von Nestlé (NESN 99.32 -0.36%) kräftig aufgeräumt. Jede Sparte wird überprüft. Was nicht genügend rentabel ist und nicht zum Geschäft passt, muss weg. Der letzte Schachzug ist der Verkauf der Hautpflegesparte für stolze 10 Mrd. Fr. an ein Private-Equity-Konsortium.

Schneider, der am Anfang wegen fehlender Branchenerfahrung etwas unterschätzt wurde, agiert konsequent und zielstrebig. Die Lebensversicherungssparte von Gerber und das US-Süsswarengeschäft haben schon neue Besitzer gefunden, und Skin Health wird nicht die letzte Portfoliobereinigung sein. Die Strategie ist in gewisser Hinsicht eine Kopie dessen, was Schneider in seinen dreizehn Jahren an der Spitze des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius (FRE 47.27 -0.95%) mit Bravour gemacht hat: kaufen, verkaufen, umstrukturieren und rentabilisieren.

Kaffee (Kaffee 131.705 0.04%), Wasser, Säuglingsnahrung und Tierprodukte stehen im Zentrum von Schneiders Nestlé-Strategie. Rund einem Dutzend Zukäufe wie der Akquisition der Handelssparte von Starbucks (SBUX 76.41 -1.09%), der Trendmarken Blue Bottle Coffee und Chameleon Cold Brew sowie Tails.com und Terrafertil werden weitere folgen.

Im Moment passt bei Nestlé jedes Puzzleteil zum anderen. Das ist auch den Anlegern aufgefallen. Seit Weihnachten kennen die Aktien nur eine Richtung. Sie haben fast 30% auf mittlerweile 100 Fr. gewonnen. Günstig sind sie damit nicht mehr. Doch der Schneider-Effekt ist nicht ausgereizt. Weitere Portfoliobereinigung und gezielte Zukäufe werden langfristig für einen noch höheren Aktienkurs sorgen.

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