Märkte / Makro

Materialmangel bremst Industrie in Europa

Der Einkaufsmanagerindex fällt im Oktober aufgrund anhaltender Lieferprobleme, bleibt jedoch in der Wachstumszone.

(Reuters) Die deutsche Industrie büsst auf dem Weg der Erholung von der Corona-Krise wegen anhaltender Lieferprobleme weiter Tempo ein. Der Einkaufsmanagerindex für den Schlüsselsektor fiel im Oktober auf 57,8 Punkte von 58,4 Zählern im September, wie das Institut IHS Markit am Dienstag mitteilte. «Die weit verbreiteten Lieferengpässe waren auch zu Beginn des vierten Quartals das grösste Problem für die deutschen Hersteller», erklärten die Forscher. Vor allem die geringe Verfügbarkeit vieler Rohmaterialien habe sowohl Produktion als auch Aufträge beeinträchtigt. «Gleichzeitig stiegen die Verkaufspreise mit Rekordrate an, da viele Unternehmen die deutlich höheren Kosten an ihre Kunden weitergaben.»

Das Barometer liegt trotz des Rückgangs noch deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. «Laut Umfrageteilnehmern zieht vor allem die schleppende Fertigung im Automobilsektor andere Industriezweige mit nach unten», betonte Markit-Ökonom Phil Smith. Denn Unternehmen in diesem Sektor reduzierten zunehmend ihre Aufträge für Komponenten und Teile. «Auch wenn vor allem die Hersteller von Vorleistungsgütern einen anhaltenden Rückgang der Neuaufträge verzeichneten, bleibt die Nachfrage insgesamt gesehen robust, und zwar insbesondere nach Investitionsgütern.»

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der gesamten Euro-Zone sank leicht um 0,3 auf 58,3 Zähler. Auch hier sorgten Nachschubprobleme für Produktionsunterbrechungen und weniger Aufträge. Die Firmen blickten so skeptisch nach vorn wie seit einem Jahr nicht mehr. Denn immer mehr Betriebe seien über die Liefersituation und die Auswirkungen steigender Kosten und Preise besorgt, erläuterte Markit-Chefökonom Chris Williamson. «Das deutet daraufhin, dass den Unternehmen einige schwierige Monate bevorstehen.»