Unternehmen / Ausland

Maximo Ibarra: Der digitale Marketing-Mann soll es richten

Maximo Ibarra dürfte die niederländische KPN ab 2018 moderner und internationaler machen. Die Wahl des neuen Chefs ist eine Weichenstellung. 

Helmut Hetzel, Den Haag

An der Spitze des niederländischen Telecomunternehmens KPN (KPN 0 0%) findet im kommenden Jahr ein bemerkenswerter Managementwechsel statt. Nach sieben Jahren wird der bisherige KPN-Vorstandschef, Eelco Blok (60), den Vorstandssessel räumen. Platz nehmen darauf soll Maximo Ibarra, derzeit noch CEO des italienischen Mobilfunkunternehmens Wind Tre. Der überraschend kommende und spektakuläre Wechsel an der KPN-Spitze löst heftige Spekulationen am Markt über den künftigen Kurs der KPN Telecom aus.

Der Managementwechsel soll auf einer ausserordentlichen Generalversammlung am 18. April 2018 von den KPN-Aktionären abgesegnet werden. Maximo Ibarra wird aber schon im Januar 2018 bei der KPN Telecom am Hauptsitz in Den Haag als Berater beginnen, um sich einarbeiten zu lassen. Auch will der 48-jährige, in Kolumbien geborene Ibarra, der seit 2012 CEO des italienischen Telecomunternehmens Wind Tre ist und auch einen italienischen Pass hat, von Italien in die Niederlande übersiedeln.

Die Nomination Ibarras ist eine Weichenstellung – und wohl eine Trendwende. Denn bisher dominieren im KPN-Management und im Verwaltungsrat die Nieder­länder. Unter Eelco Blok hat sich die KPN ausserdem von ihren Auslandsbeteiligungen in Deutschland (E-Plus) und in Belgien verabschiedet und sich ganz und gar auf den niederländischen Telecom- und TV-Markt konzentriert. Unter Führung von Maximo Ibarra könnte das künftig wieder ganz anders werden.

Der gebürtige Kolumbianer Ibarra, der in Italien tief verwurzelt ist und dort den Telecommarkt massgeblich mitgestaltete, gilt als jemand, der Fusionen und Übernahmen einleiten und erfolgreich managen kann. Das hat er bewiesen. Das lernte er an der ­Eliteuniversität Insead in Paris und an der London Business School of Economics, wo er studierte. Er spricht neben seiner Muttersprache Spanisch auch fliessend Englisch, Italienisch und Französisch.

Man nennt Ibarra heute den «digitalen Marketing-Mann». Denn ausser in der digitalen Welt hat sich Maximo Ibarra als Marketing-Experte bei Fiat und Benetton einen Namen gemacht. «Es ist ganz klar, Maximo Ibarra wurde berufen, um die KPN Telecom zu verändern», sagt Jos Versteeg, Analyst bei der Investmentbank Insinger Gilissen in Amsterdam. «Er soll die KPN wieder internationalisieren.» Möglicherweise verkaufen, möglicherweise fusionieren. Wobei die Synergien bei grenzüberschreitenden Akquisitionen in Europa überschaubar sind – zu unterschiedlich sind Märkte in den einzelnen Ländern. Das Zusammengehen der KPN Telecom mit Branchennachbarin Belgacom war in zwei Anläufen gescheitert. Ausserdem wehrte Ibarras Vorgänger Eelco Blok als KPN-Chef den feindlichen Übernahmeversuch der mexikanischen América Móvil beziehungsweise des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim erfolgreich ab.

Maximo Ibarra hat als Chef viele Optionen, die KPN Telecom neu zu positionieren und zu internationalisieren. Die gesamte Branche ist gefordert, Rezepte gegen Umsatz- und Margendruck zu finden, der sich mit dem Siegeszug der Smartphones und Gratisdiensten für Anrufe und Kurznachrichten akzentuiert hat. Auch muss Ibarra als KPN-CEO den sich rasant entwickelnden Digitalisierungsprozess in der Telecombranche meistern und mitgestalten. «Dass der neue KPN-CEO ein Spezialist in Sachen Digitalisierung sein muss, gehörte mit zu unserem Anforderungsprofil», stellt KPN-Verwaltungsratspräsident Duco Sickinghe fest. «Maximo Ibarra hat dieses Know-how. Was mir an ihm auch noch gefällt, ist seine Empathie», betont Sickinghe. «Ibarra kann gut zuhören und ist auch ein hervorragender Verkäufer. Er wird unsere Mitarbeiter motivieren können und ihnen klipp und klar sagen, was die KPN-Strategie ist und wie man sie ausführt.»

Zwei prominente KPN-Managerkollegen aus seiner Generation werden Ibarra bei seiner Arbeit unterstützen. Dass sind der ebenfalls 48-jährige Jan Kees de Jager, einst niederländischer Finanzminister und heute KPN-Finanzvorstand (CFO), und Chief Operation Officer (COO) Joost Farwerck (52), der die KPN kennt wie kaum ein anderer. Maximo Ibarra hat also alle Möglichkeiten, um an der Spitze der KPN Telecom als CEO neue Wege zu beschreiten.

 

Leser-Kommentare