Zum Thema: Im US-Gesundheitsmarkt spielt die Musik

Medtech-Branche erholt sich

US-Riesen wie Medtronic und J&J haben strukturelle Vorteile.

Was für die gesamte Gesundheitsbranche gilt, trifft ganz besonders auf den Medizinaltechniksektor zu: US-Konzerne bestimmen hier weitgehend die Trends. Schwergewichte im Bereich Orthopädie (vor allem Hüft-, Knie- und Wirbelsäulenimplantate) sind Zimmer (ZBH 108.87 +2.32%) und Stryker (SYK 204.43 +2.18%) sowie die vom diversifizierten Gesundheitskonzern Johnson & Johnson (JNJ 182.29 +1.46%) (J&J) kontrollierte DePuy Synthes. In der Kardiologie (u. a. Herzschrittmacher, Stents und Defibrillatoren) dominieren Medtronic, Boston Scientific (BSX 38.02 +2.92%) und St. Jude. Medtronic und J&J sowie Abbott beherrschen – zusammen mit Roche – auch das Geschäft mit Medtech-Produkten für Diabetiker.

Als ungeschriebenes Gesetz in der Branche gilt, dass nichtamerikanische Medtech-Anbieter früher oder später von einem US-Konkurrenten übernommen werden. An der Schweizer Börse machten diese Erfahrung zuletzt der Unfallchirurgiespezialist Synthes (Verkauf an J&J) sowie die auf Atemüberwachungsgeräte fokussierte Oridion (Erwerb durch Covidien). Während der letzten Jahre waren Fusionen und Übernahmen im Medtech-Sektor allerdings stark rückläufig. Viele Unternehmen waren primär mit internen Restrukturierungen beschäftigt, weil sie ihre Strukturen an das seit der Finanzkrise deutlich verschlechterte Marktumfeld anpassen mussten. Das Geschäft mit Hüft- und Knieimplantaten beispielsweise, das bis 2007 den Anbietern zweistellige Wachstumsraten verschafft hatte, stagnierte längere Zeit. Inzwischen wächst es immerhin wieder rund 4%, wie Stefan Blum, Manager des Fonds BB Medtech (Lux), festhält.

Die Medtech-Analysten von Credit Suisse (CSGN 5.72 +5.15%) erwarten dank des verbesserten Marktumfelds eine Zunahme von Fusionen und Übernahmen. Zur Konsolidierung beizutragen verspricht die steigende Tendenz von Spitälern, aus Kostenüberlegungen den Einkauf zu zentralisieren. Das begünstigt Anbieter mit einer breiten Produktpalette wie Medtronic und J&J. Grosskonzerne sind zudem im Vorteil, wenn es um die aufwendige Expansion in Schwellenländer geht. Viele Medtech-Anbieter sind in Emerging Markets erst schwach aufgestellt.