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Meinungen

Trump: Mehr Fragen als Antworten

«Die Erwartungen an den nächsten US-Präsidenten sind extrem hoch angesetzt. An der Börse bedeutet das in der Regel, dass die Gefahr von Enttäuschungen beträchtlich ist.»
Donald Trump löst eine Schockwelle im Pharmasektor aus. Investoren sollten sich darauf gefasst machen, dass der künftige US-Präsident für weitere Kursschwankungen sorgen wird.

Mehr als neun Wochen hat es gedauert, bis Donald Trump die erste Pressekonferenz seit den Wahlen abgehalten hat. Letztmals in diesem Rahmen hatte sich der angehende US-Präsident den Medien Ende Juli gestellt.

Was also ist für Investoren die wichtigste Botschaft, die am Mittwoch aus dem Trump Tower gekommen ist?

Trump wird in den kommenden Monaten für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen. Das neueste Beispiel dafür ist seine Attacke auf den Pharmasektor. «Unsere Gesundheitsindustrie ist ein Desaster. Wir werden künftig Milliarden von Dollar einsparen», kritisierte er überhöhte Medikamentenpreise an der Pressekonferenz.

Die Reaktion folgte prompt. An den Börsen in New York knickten Pharma- und Biotech-Werte wie Merck, Pfizer und Amgen ein. Unter Druck gerieten ebenso die Titel des Rüstungskonzerns Lockheed Martin, dessen Lieferkosten für den Kampfjet F-35 Trump – erneut – ins Visier genommen hat.

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Trump in diesem Stil auch nach seinem Amtsantritt am 20. Januar weiterfahren wird. Über Twitter hat er in den vergangenen Wochen bereits in Aktien des japanischen Telecomkonzerns Softbank und in Titeln von Autoherstellern wie Ford und Toyota für Bewegung gesorgt.

Derweil bleibt ungewiss, was der Regierungswechsel für die US-Wirtschaft genau bedeutet. An der Pressekonferenz ist Trump zwar auf Themen wie Hackerangriffe aus Russland und auf Pläne zur Abgrenzung von seinem Immobilienkonzern eingegangen. Schlüsselfragen zu Steuerkürzungen, Deregulierung oder Infrastrukturinvestitionen wurden jedoch nicht angesprochen.

Offen ist ebenso, was mit der Gesundheitsreform Obamacare passieren wird. Sie ist seit der Einführung vor drei Jahren zu einem zentralen Pfeiler im US-Gesundheitswesen geworden, das mittlerweile annähernd ein Fünftel zur Wirtschaft beisteuert. Trump verspricht, Obamacare aufzulösen und umgehend mit einer «besseren Lösung» zu ersetzen. Wie diese aussehen soll, ist jedoch unklar.

Trump hat an den Finanzmärkten viel Vorschusslorbeeren erhalten. Auch in Corporate America erntet er Beifall. Unter kleinen und mittelgrossen US-Unternehmen ist die Zuversicht sogar auf den höchsten Stand seit Anfang der Achtzigerjahre gestiegen.

Das ist zwar erfreulich und nährt Hoffnungen auf einen neuen Konjunkturboom. Die Erwartungen sind damit aber bereits extrem hoch angesetzt. An der Börse bedeutet das in der Regel, dass die Gefahr von Enttäuschungen beträchtlich ist.