Meinungen

Mehr Innovation am Finanzplatz

Die Finma hat die Zeichen der Zeit erkannt. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Bransons Anliegen einer modulareren Regulierung verdient Unterstützung – im Wissen, dass die Gesetze vom Parlament geschrieben werden, nicht vom Regulator.»

«Wir erachten Innovation als wichtigen Bestandteil der Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Finanzindustrie, in den weitaus mehr Energie gesteckt werden sollte als in aufwendige Rückzugsgefechte für aussterbende Geschäftsmodelle.» Es mag auf den ersten Blick überraschen, wer der Absender dieser für den hiesigen Finanzplatz schonungslos klaren Worte ist: Mark Branson. Der Direktor der Finanzmarktaufsicht Finma äusserte sie vor wenigen Tagen anlässlich einer Rede vor dem Business Club Zürich.

Branson plädiert dafür, regulatorische  Hürden abzubauen, um Raum für Innovationen zu schaffen. So sei die Schweizer Bankengesetzgebung in einigen Definitionen sehr rigide, was Jungunternehmen aus der aufstrebenden Finanztechnologie-Szene (Fintech) das Leben erschwere. Der Finma-Direktor denkt daher über eine Art «Bankenbewilligung Light» nach, eine neue Bewilligungskategorie für einfache Geldinstitute, um Hürden für neue Geschäftsmodelle in der digitalen Finanzwelt abzubauen. Bransons Anliegen einer modulareren Regulierung verdient Unterstützung – im Wissen, dass die Gesetze vom Parlament geschrieben werden, nicht vom Regulator.

Die Schweiz beherbergt schon einige erfolgreiche – ein Beispiel ist Leonteq – respektive erfolgversprechende Fintech-Unternehmen, doch mit einer globalen Perspektive muss nüchtern festgestellt werden: Finanzplätze wie London, Singapur, New York sowie der Grossraum San Francisco sind deutlich weiter entwickelt. Woran liegt das?

Die Schweiz bietet eigentlich beste Voraussetzungen, um in Sachen Fintech in der Topliga zu spielen: ein grosser Banken- und Versicherungssektor, hervor­ragende Hochschulen, IT-Kolosse wie Google und IBM sowie reichlich Investi­tionskapital. Wo also klemmt es? Eine Erklärung mag tatsächlich in der zu rigiden Regulierung liegen – ein Aspekt, den die Finma nun erkannt hat. Eine zweite Erklärung liegt in der mangelnden Koordination verschiedener Initiativen, eine dritte in der hierzulande wenig ausgeprägten Kultur des Scheiterns, denn auch in der Fintech-Welt gilt: Acht von zehn Startups überleben nicht.

Eine vierte Erklärung liegt aber auch bei den Banken. Während Jahrzehnten haben sie IT bloss als ärgerlichen Kostenblock behandelt, nicht als Mittel, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Einige wenige haben die Zeichen der Zeit erkannt und forcieren intensiv die Digitalisierung. Doch diverse weitere Institute, besonders aus dem Feld der Privatbanken, haben den Zug verpasst. Ja, sie haben einen Grossteil der vergangenen zehn Jahre mit einem Rückzugsgefecht für ein aussterbendes Geschäftsmodell verschwendet und dabei vergessen, innovativ in ihre Zukunft zu investieren.

Heute begnügen sich die Banker mit der Selbstvergewisserung, dass ihre Kunden immer eine physische Filiale besuchen und mit einem Berater aus Fleisch und Blut zu tun haben wollen. Mag sein. Allerdings klingen sie mit diesen Argumenten gefährlich ähnlich wie die Reisebürobranche vor fünfzehn Jahren.

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