Meinungen

Mehr PEPP von der EZB

Die Europäische Zentralbank weitet ihr Notfallkaufprogramm um 600 Mrd. auf 1350 Mrd. € aus. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Das Motto der europäischen Währungshüter lautet eindeutig: Auf keinen Fall die Märkte enttäuschen!»

Die Europäische Zentralbank hat sich am Donnerstag für eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik entschieden. Das war von den meisten Experten erwartet worden. Auch die Finanzmärkte hatten sich darauf eingestellt. Die Frankfurter Währungshüter haben dieser Erwartungshaltung auf breiter Ebene entsprochen. Sie zeigen sich sogar eher grosszügig mit den Massnahmen. Das Motto lautet eindeutig: Auf keinen Fall die Märkte enttäuschen.

Das Notfallkaufprogramm PEPP wird um 600 Mrd. € aufgestockt. Ökonomen hatten im Durchschnitt auf 500 Mrd. € getippt. Auch dem Wunsch, die Käufe über Dezember 2020 hinaus weiterzuführen, wird entsprochen. Sie werden nun mindestens bis Juni 2021 dauern resp. so lange, bis die Coronakrise überstanden ist.

Die EZB unterstreicht ebenso das Bekenntnis zur Flexibilität. Das gibt ihr auch in Zukunft genügend Spielraum, um bevorzugt italienische und spanische Staatsanleihen aufzukaufen, wenn das für erforderlich befunden wird. Strenge Limiten und Länderschlüssel gibt es bei den normalen Anleihenkaufprogrammen, jedoch bewusst nicht bei PEPP.

Die EZB hat noch andere Fragen geklärt. Zum Beispiel will sie den Ertrag der Anleihen im PEPP-Portfolio reinvestieren, zumindest bis Ende 2022, und denjenigen der übrigen Anleihenkaufprogramme noch mindestens so lange, bis die Leitzinsen erhöht werden. Also noch sehr, sehr lange.

Mit ihrem heutigen Entscheid hat sich die EZB für ein «Weiter so» entschieden. Der Ausbau der Käufe ist kein zusätzlicher mutiger Stimulierungsimpuls, sondern eher von den Fakten geprägt. Angesichts des riesigen Volumens an zusätzlichen Staatsanleihen, die die Eurostaaten dieses und nächstes Jahr emittieren werden, musste PEPP früher oder später ausgeweitet werden. Andernfalls hätte die im März ausgepackte monetäre Bazooka an Wirkung verloren.

An den Märkten hat der Fokus allerdings bereits auf die Konjunktur- und Investitionspakete geschwenkt, die die Regierungen schnüren. Im Vordergrund steht das milliardenschwere Wiederaufbauprogramm, das die Europäische Kommission vorgeschlagen hat. Zwischen den Mitgliedstaaten wird noch darum gefeilscht.

Anleger in Aktien, Anleihen und Devisen rechnen offenbar schon fest damit. Die Kurse sind zuletzt in die Höhe geschossen, die Risikoaufschläge der Peripheriestaaten geschrumpft, und der Euro hat sich auf knapp 1.08 Fr./€ aufgewertet. Mit ihren Beschlüssen hat die EZB diese kurzweilige Feierstimmung an den Märkten nicht gestört. Ob sie anhalten wird, hängt jedoch von den Regierungen ab.

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