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Mehr Raum für den Euro-Trade der SNB?

Die Volumen am Devisenmarkt sind gestiegen. Das wirft die Frage auf, ob die SNB nicht doch langsam Euro verkaufen könnte.

Tommaso Manzin

Im globalen Währungshandel steigt die Flut, die Liquidität nimmt zu. Die Volumen im Devisenhandel haben markant angezogen. Barclays (BARC 121.88 -2.4%) meldet für Januar den höchsten Anstieg seit einem Jahr. Die Deutsche Bank (DBK 8.271 1.45%) spricht gegenüber Bloomberg von einem erfolgversprechenden Start, die Aktivität könnte auf dem Weg zurück zur Normalität sein und zum Umsatz von vor der Krise.

Einbruch der Margen hat den Devisenhandel ausgedünnt

Die Handelsvolumen waren 2012 eingebrochen, nachdem die Zentralbanken mit der anhaltend hohen Liquidität die Preisspannen im Devisengeschäft ausradiert und dieses uninteressant hatten werden lassen. Durch die gedrosselte Volatilität in den Währungspaaren waren die Margen kollabiert. Ein ähnliches Problem hatten übrigens Hedge Funds: Auch sie konnten 2012 kaum Geld mehr mit den üblichen Wetten auf Währungen oder Zinsen verdienen.

Citigroup (C 52.8266 -0.96%) meldet, dass vor allem der Yen derzeit so rege wie schon lange nicht mehr die Hand wechsle. Mitte Monat hat das Volumen den höchsten Stand seit zwölf Monaten erreicht. Das neu erwachte Interesse folgt auf die entschlossene Kampfansage der neuen Regierung in Tokio gegen die Stärke der eigenen Währung. Die Märkte scheinen diesmal daran zu glauben. Damit ist wieder ein Trend erkennbar, auf oder gegen den die Marktteilnehmer setzen können.

Leider gibt es keine regelmässig verfügbaren Daten über gehandelte Devisenvolumen. Nur die Zentralbanken stellen Zahlenmaterial für die Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zusammen. Diese Umfrage findet aber nur alle drei Jahre statt, die nächste Veröffentlichung folgt im September. Man muss sich also auf die Aussagen aus den Handelsräumen verlassen. Die geben aber Raum für Spekulationen darüber, was die SNB (SNBN 4750 -0.42%) mit ihren Eurobeständen tun soll. Ende 2012 verfügte sie über Devisenanlagen von 432 Mrd. Fr., nach 257 Mrd. Ende 2011. Fast die Hälfte davon lautet auf Euro.

Franken-Euro-Wechselkurs wird wieder interessanter…

Wie die nipponische Geldeinheit ist auch der Franken eine Fluchtwährung, und auch der Franken hat sich in den vergangenen Wochen abgewertet, und zwar zum Euro. Bewegung in den Umsatz dieses Wechselkurspaars könnte deshalb kommen, weil sich der Euro-Franken-Kurs sichtbar von seiner Untergrenze von 1.20 Fr./€ gelöst hat.

Der Euro notierte zum Franken jüngst mit 1.2480 Fr./€ auf dem hächsten Stand seit Mai 2011, gegenwärtig bewegt er sich seitwärts um die 1.2354 Fr./€. Solange der Euro an der Untergrenze klebte, gab es im Kurs keinen Raum für Ausschläge nach unten, denn dort stand die SNB bereit, um sofort jede Menge Euro zu kaufen. Und solange die Schuldenkrise akut war, war es höchst unwahrscheinlich, dass die Einheitswährung einen Sprung nach oben machte. Spekulationen über den Kursverlauf waren damit so gut wie unmöglich, die Möglichkeit von Gewinnen auch. Das sieht mit der anhaltenden Entspannung in der Krise und der Hausse an den Aktien- und den Anleihenmärkten der Peripherie anders aus.

…vielleicht auch für die SNB

Damit könnten die Volumen im Währungspaar steigen – vorausgesetzt, die Schweizerische Nationalbank (SNB) zieht mit der Untergrenze nicht nach. Doch SNB-Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine hat erst vergangenen Donnerstag klargemacht, dass die SNB keine Währungspolitik betreibe, sondern Antideflationspolitik. Es ist nicht ihr Ziel, den Euro höher zu scheuchen, sondern zu verhindern, dass ein zu starker Franken das Preisniveau in der Schweiz weiter senkt. Der Mindestkurs sei eine ausserordentliche Massnahme und nicht dafür da, Wechselkursfeinsteuerung zu betreiben, sagte Danthine der «Tribune de Genève».

Zumindest denkbar wäre damit, dass mit steigenden Volumen im weltweiten Devisengeschäft auch der Platz für den Elefanten im Handelsraum grösser wird: die SNB, die am Devisenmarkt schon für alle möglichen Bewegungen verantwortlich gemacht wurde – von den tiefen Zinsen im Euroland (durch massiven Kauf von auf Euro lautenden Wertschriften zur Schwächung des Frankens) über die Stärkung der schwedischen Krone und des australischen Dollars (also Folge der Umschichtungen ihres Eurobestands) bis hin zur generellen Währungsmanipulation.

Denn der dünne Markt ist einer der angeführten Gründe, wieso die SNB keine Euro verkaufen soll, obwohl sie damit nach seiner Hausse Gewinne verbuchen und den Bestand der Problemwährung abbauen könnte. Nach Meinung von Experten würde sie den Kurs der Gemeinschaftswährung durch Verkäufe wieder negativ beeinflussen und damit ihr geldpolitisches Ziel, die Verhinderung von Deflation durch einen zu starken Franken, selbst untergraben.

EZB steht im Währungskrieg unter Zugzwang

Die japanische Valuta hat sich unter den zehn Hauptwährungen der Industriestaaten in diesem Jahr am markantesten abgewertet. Seit Anfang Januar hat sie durchschnittlich 5,6% eingebüsst. Grund ist die neue Regierung von Shinzo Abe, die Druck auf die Zentralbank ausübt, um die Geldpolitik weiter zu lockern. Diese hat jüngst eine Inflation von 2% zum neuen Ziel ihrer Geldpolitik erklärt. Gleichzeitig soll ab 2014 erstmals eine unbegrenzte quantitative Lockerung folgen. Bisher waren die Wertschriftenkäufe auf durschnittlich rund 33 Mrd. Yen (rund 460 Mrd. $) alle sechs Monate fixiert. Zum Euro schwächten sich neben dem Franken vor allem Dollar und Pfund ab. Die britische Valuta notiert auf einem Dreizehnmonatstief.

Seit die Bank of Japan ernsthaft in den Krieg um die grösste Abwertung eingestiegen ist, steht die EZB mehr unter Druck. Eine zu starke Aufwertung des Euros könnte die zaghafte Erholung in der Eurozone gefährden. Viele Ökonomen erwarten daher für nächste Woche eher eine Zinssenkung.

Kontraktion in der Eurozone hält an

Die Stimmung der Unternehmen und der Konsumenten in Euroland hat sich zwar unerwartet stark verbessert, dies ergab der am Mittwoch von der Europäischen Kommission publizierte Indikator. Er stieg im Januar um 1,4 auf 89,2 Punkte, den höchsten Stand seit August 2012. Die Verbesserung scheint sektoriell breit abgestützt, alle Teilbereiche des Barometers haben sich verbessert: Industrie, Dienstleister, Konsumenten, Einzelhandel und Bau. In der regionalen Aufteilung zeigt der Indikator indes ein gemischtes Bild. Der stärkste Impuls kam aus Deutschland. In Spanien hat sich das Economic Sentiment leicht verbessert, während es in Italien stagniert hat und in Frankreich leicht gefallen ist. Im ersten Quartal 2013 dürfte die Wirtschaftsleistung in der Eurozone zudem nochmals zurückgehen.