Meinungen

Mehr Rückgrat

Raiffeisen und Post zeigen: Ein Verwaltungsrat braucht energische Persönlichkeiten, ganz besonders im Präsidium, sonst kann er seiner Pflicht nicht genügen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Es reicht nicht, wenn nur auf dem Posten des operativen Chefs ein starker Mann sitzt.»

Die Interaktion von CEO und Verwaltungsrat ist ein «Full contact»-Sport. So sagte es vor Jahren der damalige oberste Manager von ABB, Joe Hogan, so muss es auch sein. Ist es aber längst nicht überall. Mitunter scheint es eher zum Austausch verbaler Zärtlichkeiten zu kommen, besonders wenn sogar im Aufsichtsgremium der/die zu Beaufsichtigende als Beisitzer faktisch die Feder führt. In publikums-, staatlichen und öffentlichkeitsnahen Gesellschaften eine nicht gar so seltene Misere, wie etwa der aktuelle Fall Raiffeisen erahnen lässt.

Es reicht nicht, wenn nur auf dem Posten des operativen Chefs ein starker Mann (egal welchen Geschlechts, sozusagen) sitzt. Auch ein Verwaltungsrat braucht energische Persönlichkeiten. Zwingend im Präsidium, sonst wird er/sie, weil es CEO in aller Regel an Ego nicht gebricht, schnell zum Grüssaugust degradiert. Erst recht, wenn das Management Erfolge nachweisen kann; just dann wird’s eben nicht gemütlich, sondern potenziell gefährlich.

Eine Aktiengesellschaft ist keine konstitutionelle Monarchie: Dem Verwaltungsrat obliegt nach schweizerischem Recht die Oberleitung. Er darf, entgegen seiner unglücklichen Etikettierung, nicht bloss verwalten, sondern er muss verantworten. Dafür ist er von den Eigentümern gewählt.

Wenn nun der Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz (einer Genossenschaft, was aber an der ­Sache nichts ändert) in der Sonntagspresse unerschütterliche Fahnentreue schwört, um in der Woche drauf kleinlaut zu kapitulieren, fällt sich das Urteil über sein Format schier von selbst. Wenn der Amtskollege vom «gelben Riesen» arglos posaunt, er werde die Postautoaffäre höchstselbst aufklären, um drei ­Wochen darauf die Akte abzuschieben, überzeugt das auch nicht. Full Contact verlangt robustere Figuren.

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