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Huawei-Bann belastet die Tech-Industrie

Huawei-Handys müssen wohl bald ohne das Google-System Android auskommen. Auch der Schweizer Chiphersteller AMS ist betroffen.

Ende vergangener Woche hat die US-Regierung den High-Tech-Konzern Huawei wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit auf eine schwarze Liste gesetzt. Spätestens ab Sommer sind Geschäfte von US-Unternehmen mit dem chinesischen Vorzeigekonzern genehmigungspflichtig.

Bereits haben amerikanische, aber auch andere Zulieferer Bestellungen von Huawei gestrichen. Unter anderem erhalten die Chinesen nur noch eingeschränkt Zugriff auf das Smartphone-System Android, was sich in den Verkaufszahlen von Huawei ausserhalb von China niederschlagen dürfte. Zu den Betroffenen gehört auch der Chiphersteller AMS (AMS 32.14 0.09%), zu dessen Kunden Huawei zählt.

Tiefes Misstrauen

Huawei wurde Ende der Achtziger von Ren Zhengfei gegründet. Damals war er Ingenieur beim Militär und Mitglied der Kommunistischen Partei – darin wurzelt das tiefe Misstrauen der US-Regierung gegenüber dem Unternehmen. Huawei rüstet heute global Netzwerke von Telefongesellschaften aus und baut seit 2011 Smartphones unter eigener Marke. Im Markt für Mobilfunknetze führt der Konzern, bei den Smartphones hält er global die zweite Position hinter der koreanischen Samsung (SMSN 920 -0.54%). Dabei ist er schon jetzt kaum präsent im wichtigen US-Markt. Die Erfolgsgeschichte steht nun vor einem Einschnitt.

Die US-Chiphersteller Qualcomm, Intel (INTC 46.13 -0.13%) und Broadcom (AVGO 265.97 0.01%) sowie die deutsche Infineon (IFX 14.364 -0.18%) haben erklärt, keine Lieferungen mehr an Huawei sowie das Tochterunternehmen Honor zu senden. Die Alphabet-Tochter Google (GOOGL 1093.89 0.7%) stellt die Zusammenarbeit bei Smartphone-Software ein. Das dürfte Huawei schmerzlich treffen. Auf den Geräten der Chinesen läuft das Google-System Android, ausserhalb des Heimatmarktes befinden sich Apps wie Gmail oder Google Maps darauf.

Kunden, die bereits ein Huawei- oder ein Honor-Smartphones besitzen, erhalten weiterhin Software-Updates, teilten sowohl Google als auch Huawei mit. Offen bleibt, wie es weitergeht. Die Chinesen hatten vor längerem mitgeteilt, an einem eigenen mobilen Betriebssystem zu arbeiten. Zu haben ist es noch nicht.

Chipwerte schwächeln

Huawei wird nicht an der Börse gehandelt. Die Anteile am Unternehmen gehören den 180 000 Angestellten. Die jüngste Attacke im Handelsstreit trifft dafür Chipwerte und Lieferanten, deren Aktien kotiert sind. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor 3,3%. Es war dies die verlustreichste Woche für den Leitindex der Chipindustrie jemals. Die beiden Optikspezialisten Lumentum und Inphi gaben in der Spitze 5% nach. Der Huawei-Konzern, dessen Smartphones mit optischen Finessen glänzen, gehört zu den Grosskunden der beiden.

Auch die österreichische AMS, deren Aktien an der Schweizer Börse kotiert sind, verlor am Montag weit mehr als 10%, erholte sich am Dienstag. AMS liefert Sensoren an Huawei. Das Geschäft werde fortgesetzt, erklärte ein Sprecher. Profitieren vom Huawei-Bann könnten Apple (AAPL 193.89 0.6%) und Samsung. Beide sind bedeutendere AMS-Kunden.

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