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Unternehmen / Ausland

Mehrere Interessenten bieten für Air Berlin

Bis zum Ablauf der Frist am Freitagnachmittag sind mehrere Angebote eingegangen. Wer für die insolvente Fluggesellschaft bietet und wie es jetzt weitergeht.

(Reuters) Der Bieterkampf um die insolvente Air Berlin (AB1 0.035 -5.41%) geht in die heisse Phase. Mehrere Interessenten haben bis zum Ablauf der Frist am Freitagnachmittag ihre Angebote für die Fluggesellschaft oder Teile davon eingereicht. Endgültige Entscheidungen zum Verkauf sollen am 25. September fallen – und damit einen Tag nach der Bundestagswahl.

Als Favorit gilt die Lufthansa (LHA 28.135 -0.86%), die die Abgabe einer Offerte bestätigte, ohne Details zu nennen. Aus Verhandlungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass Deutschlands grösste Fluggesellschaft für 70 bis 90 der gut 140 Maschinen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag biete.

Der Verkauf von Air Berlin gilt als politisch heikel – nicht zuletzt, weil die Fluggesellschaft seit ihrer Insolvenz Mitte August nur noch mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Mio. € weiterfliegen kann. Der Grossaktionär Etihad hatte der verlustreichen Airline den Geldhahn zugedreht.

Der Sachwalter für Air Berlin, Lucas Flöther, nimmt nun mit seinem Team die Angebote unter die Lupe. «Der aktuelle Stand zum Ende der Frist heute 14 Uhr ist, dass wir mehrere Angebote bekommen haben», sagte Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel zu Reuters TV.

Man werde die Offerten sorgfältig prüfen und dem Gläubigerausschuss am 21. September eine Auswertung vorlegen, ergänzte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus: «Mit abschliessenden Entscheidungen rechne ich nach der Aufsichtsratssitzung der Air Berlin am 25. September.»

Air Berlin hat 8000 Mitarbeiter, vor allem Beschäftigte der Technik-Sparte und der Verwaltung fürchten um ihre Jobs. «Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen», sagte Konzern-Chef Thomas Winkelmann.

Streit gibt es einem «Spiegel»-Bericht zufolge um einen an Piloten und Manager gezahlten Zuschlag zum Insolvenzgeld von teilweise mehr als 10.000 Euro im Monat. Damit habe man verhindern wollen, dass diese Mitarbeiter zu Wettbewerbern abwanderten, sagte Kebekus laut Nachrichtenmagazin. Es handle sich um einen «erklecklichen siebenstelligen Betrag».

Zeit ist knapp

Insgesamt drängt die Zeit, denn die Airline macht wegen sinkender Buchungen täglich mehrere Millionen Euro Verlust. Damit stellt sich die Frage, ob die Finanzhilfen der Steuerzahler ausreichen, bis die Kartellbehörden grünes Licht geben und die Restrukturierung beginnen kann. Möglicherweise müssen die Bieter also noch Geld zuschiessen. «Das müssen die Interessenten einpreisen», hiess es aus Verhandlungskreisen.

Der Billigflieger Easyjet reichte nach eigenen Angaben ein Offerte für Teile des Kurzstrecken-Angebots von Air Berlin ein. Dies stehe im Einklang mit der Strategie, sich in Deutschland auf bestimmte Städte zu konzentrieren, erklärten die Briten.

Wegen einer Reihe von Unsicherheiten rund um die insolvente Airline sei es aber ungewiss, ob es zu einem Deal komme. Von der British Airways-Mutter IAG (IAG 6.706 -0.36%) war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Der Ex-Rennfahrer Niki Lauda legte eine Offerte zusammen mit der Thomas-Cook-Tochter Condor vor. «Ja, es ist geboten worden», sagte eine Sprecherin von Lauda. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat bereits ein Angebot eingereicht.

Die Berliner Logistikfirma Zeitfracht bietet für die Frachttochter Leisure Cargo, die Regionalflugtochter Walter (LGW) und die Air Berlin Technik. «Wir gehen fest davon aus, dass wir damit rund 1000 Arbeitsplätze der insolventen Air Berlin Gruppe sichern und unsere Zeitfracht Gruppe zu einem gut etablierten Luftfracht-Carrier ausbauen können», erklärte Firmenchef Wolfram Simon.

Den angebotenen Kaufpreis nannte er nicht. Einem Medienbericht zufolge hat auch der frühere Energiemanager Utz Claassen ein «Angebot zur Komplettübernahme» vorgelegt.

Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang von der Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern erwägt ein Angebot. Sein Anwalt Helmut Naujoks sagte, es gebe eine Fristverlängerung bis zum 21. September. Dem widersprach Air Berlin. «Wir haben keine Fristverlängerung gewährt», sagte Sprecher Kunkel. «Es gelten für alle die gleichen Regeln.»