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Mensch oder 
Maschine?

Regelbasiertes Anlegen Computer handeln 
konsequent. Das gilt es zu nutzen.

Graham Robertson und Urs Alder

Der Grat zwischen Gewinn und Verlust ist häufig schmal. Ein regelbasierter Ansatz kann nachhaltigere Resultate erzielen als ein erratisches, intuitives Vorgehen, wie es Menschen eigen ist.

Die akademische Literatur ist voll von Beispielen irrational handelnder Anleger. Wissenschaftler wie Daniel Kahneman und Amos Tversky haben die Behavioural Finance erschlossen und zeigen etwa auf, dass Menschen mehr Verlustschmerz empfinden als Freude über einen Gewinn. Sie neigen deshalb dazu, Gewinne zu schnell zu reali­sieren und Verluste zu lange zu tolerieren.


Arbitrage-Champions

Computer sind zweifelsohne disziplinierter als Menschen. Sie können nicht anders, als codierte Regeln jederzeit und unter allen Umständen einzuhalten. Das legt den Schluss nahe, dass Com­puter und nicht Menschen mit der exakten und konsistenten Ausführung von Anlagestrategien betraut werden sollten – besonders dann, wenn die Strategie darin besteht, Marktanomalien und Ineffizienzen auszunützen. Weil diese meistens klein sind, kann nur die un­ablässige und präzise Anwendung von codierten Regeln in einer Vielzahl von Märkten und Sektoren zu einer ansprechenden Rendite führen.

Trendfolge ist ein gutes Beispiel dafür. Es ist unbestritten, dass Märkte sich in Trends bewegen. Das kann man ausnützen. Praktiker, die auf Trends setzen, weisen darauf hin, dass Trendsignale in einzelnen Märkten eher schwach sind und deshalb durch systematische und simultan ausgeführte Algorithmen über Hunderte von Märkten ausgenützt werden müssen. Nur so können die einzelnen Signale verstärkt und die Rendite potenziell attraktiv gestaltet werden. Das lohnt sich langfristig aber sehr wohl, wie die Rendite von einigen klassischen Trendfolgern zeigt. Die AHL-Trendfolgestrategien von Man zum Beispiel haben seit der Lancierung vor über zwanzig Jahren die Aktienmärkte deutlich geschlagen. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Mensch dem systematischen Ausnützen kleiner Ineffizienzen hoffnungslos unterlegen ist.


Sowohl als auch

Es wäre nun aber falsch, zu meinen, dass der Mensch dem Computer in allen Belangen unterlegen ist. Die Erfahrung zeigt, dass Analysten zur einge­henden qualitativen Analyse von ein­zelnen ­Unternehmen besser geeignet sind als die Maschine. Die Codierung von Regeln zur Bewertung von Gesellschaften erscheint zumindest zum heutigen Zeitpunkt noch schwierig und unscharf. Deshalb denken wir, dass sich Menschen im Gegensatz zu Computern eher auf die Verwaltung konzen­trierter Portfolios von wenigen Unternehmen beschränken sollten.

Dank regelbasiertem Anlegen können gute Resultate erzielt werden. Mit der ­Umsetzung der Strategie sollte der ­Computer und nicht der Mensch betraut werden. Die Regeln aber werden vom Menschen definiert. So werden die je­weiligen Stärken kombiniert – der Mensch ist gut im Denken, der Com­puter gut im Umsetzen. Nicht Mensch oder Maschine, sondern Mensch und Maschine, muss die Devise sein.

Graham Robertson, Leiter AHL Client Portfolio Management, und 
Urs Alder, Regional Manager Schweiz, Man Group

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