Unternehmen / Schweiz

Meyer Burger: Investoren müssen kein Pflichtangebot abgeben

Laut Übernahmekommission entsteht im Rahmen der Kapitalerhöhung keine Pflicht zu einem Übernahmeangebot.

(AWP/SYC) Im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung bei Meyer Burger (MBTN 0.2338 -2.42%) entsteht keine Pflicht zur Unterbreitung eines Übernahmeangebots. Dies teilte Meyer Burger am Donnerstag auf Veranlassung der Übernahmekommission (UEK) mit.

Einspracherecht für Aktionäre

Dies betreffe die Aktionäre um Sentis Capital PCC, die Zürcher Kantonalbank, Astaris Capital European Opportunities Master Fund Limited und die IBH Beteiligungs- und Handelsgesellschaft sowie alle anderen Investoren. Meyer Burger müsse der UEK aber eine Kopie mit sämtlichen genannten Personen mit Blick auf die Kapitalerhöhung geschlossener Verträge, insbesondere die PIPE and Backstop Commitment Agreements, zukommen lassen.

Zudem müsse das Unternehmen eine allfällige Stellungnahme des Verwaltungsrats, das Dispositiv der vorliegenden Verfügung und den Hinweis auf die Möglichkeit der qualifizierten Aktionäre, Einsprache gegen diese Verfügung zu erheben, veröffentlichen.

Rein hypothetische Angaben

Grundsätzlich muss ein Aktionär, dessen Anteil über 33,33% steigt, nach Schweizer Aktienrecht ein Angebot für alle übrigen Anteile unterbreiten. In den vergangenen Tagen wurden auf der Webseite der Schweizer Börse SIX Beteiligungsmeldungen publiziert, wonach die oben genannten Investoren teilweise Anteile von deutlich mehr als 33,33% an Meyer Burger hielten.

Es handelt sich in den Beteiligungsmeldungen jedoch um rein hypothetische Prozentangaben für den Fall, dass die Generalversammlung am 10. Juli der Kapitalerhöhung zustimmt und die Transaktion zu einem sehr tiefen Preis je Aktie abläuft. Dass derzeit die Pflicht zu einem Übernahmeangebot entfällt, dürfte auch damit zusammenhängen, dass die tatsächlichen Anteile nach einer allfälligen Kapitalerhöhung noch gar nicht bekannt sind.

Ungewohnte Struktur

Meyer Burger hatte Mitte Juni bekanntgegeben, eine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen. CEO Gunter Erfurt will mit den angestrebten 150 bis 165 Mio. Fr. eine eigene Solarzellen- und Modulproduktion in Deutschland aufbauen. Am 10. Juli werden die Aktionäre entscheiden, ob sie der Kapitalerhöhung zustimmen.

Meyer Burger hat zwei Varianten vorgeschlagen für die Transaktion. Bei der sogenannten PIPE-Struktur (Private Investment in Public Equity) haben institutionelle Investoren wie Sentis und Astaris zugesagt, einen Mindestanteil der ausgegebenen Aktien zu übernehmen. Ähnliches gilt für die zweite vorgeschlagene Variante der Transaktion, wo ebenfalls Mindestanteile zugesichert wurden. Die tatsächlichen künftigen Anteile hängen davon ab, wie viele Publikumsaktionäre allenfalls von Bezugsrechten Gebrauch machen. Ein solches Vorgehen bei einer Kapitalerhöhung wird typischerweise von Unternehmen gewählt, die Mühe haben, sich herkömmlich über den Kapitalmarkt zu finanzieren.