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Vekselberg wird Kunde von Meyer Burger

Analyse | Der kriselnde Solarzulieferer erhält einen technologisch bedeutsamen Auftrag. Der russische Kunde gehört zum Imperium von Victor Vekselberg.

Es sind zur Abwechslung gute Tage, die Meyer Burger hinter sich hat. Der mit Finanzproblemen kämpfende Solarzulieferer aus Thun konnte diese Woche zwei neue Aufträge im Gesamtwert von 32 Mio. Fr. melden. Der seit Monaten unter starkem Abgabedruck stehende Aktienkurs zog 5% an. Aber nicht das eingehende Auftragsvolumen sollte Anleger hellhörig machen, sondern die Art der Bestellung und der Kunde selbst. Endlich hat Meyer Burger einen industriellen Abnehmer für die Heterojunction-Zelltechnologie (HJ) gefunden. «Das ist ein Meilenstein», sagt Meyer-Burger-Sprecher Werner Buchholz.

Der Urheber des mit 22 Mio. Fr. grösseren Auftrags ist das russische Solarunternehmen Hevel, bei dem der russische Oligarch Victor Vekselberg über seine Investmentgesellschaft Renova die Fäden zieht. Die Bestellung umfasst neben HJ-Systemen auch die moderne Smartwire-Zellverbindungstechnologie. Solarunternehmen scheinen also wieder eher bereit, in fortschrittliche Technologie zu investieren. Der zweite, 10 Mio. Fr. grosse Auftrag betrifft Diamantdrahtsägen und kommt von einem bestehenden Kunden aus Asien.

Erfolg für Heterojunction

Der Auftrag zeigt, «dass die Vorzüge der Heterojunction-Technologie von unseren Kunden anerkannt werden», sagt Buchholz. Meyer Burger ist überzeugt, dass weitere Aufträge folgen werden. Heterojunction soll sich in Zukunft zu einem grossen Geschäft für Meyer Burger entwickeln. Mittels dieser Art von Beschichtung erzielen Solarzellen bedeutend höhere Wirkungsgrade, bei tieferen Produktionskosten. Nach Ansicht der Thuner sind die heutigen Standard-Zellsysteme «aus technologischer Sicht ausgereizt». Doch die Standardtechnologie (PERC) machte gemäss Schätzungen von Credit Suisse vergangenes Jahr noch immer zwischen 38 und 48% des gesamten Auftragsvolumens aus. HJ ist aber noch meilenweit davon entfernt, PERC ablösen zu können.

Meyer Burger hat in der Vergangenheit viel in HJ investiert. In den Krisenjahren der Solarindustrie haben sie allerdings vergeblich versucht, für diese Technologie Abnehmer zu finden. Das änderte sich 2015, als erste Aufträge für HJ-Komponenten gemeldet wurden. Doch diese Systeme sollen in erster Linie für Forschungszwecke, nicht für industrielle Produktion eingesetzt werden.

Hevel, der neue Kunde, stammt aus Russland; nicht China, den USA oder Indien – den Photovoltaikmärkten mit dem grössten Erholungs- bzw. Wachstumspotenzial.

Hoffnung aus Russland

Das überrascht. Hevel ist nach eigenen Angaben das grösste integrierte Solarunternehmen Russlands und hegt grosse Expansionspläne. Bis 2018 sollen 450 Mio. $ in den Bau von Solaranlagen fliessen, mit 500 MW Gesamtleistung. Hevel verwaltet derzeit Solarprojekte mit einem Volumen von 349 MW. Zwei Anlagen, eine in Ostsibirien, eine bei Orenburg, nahe der kasachischen Grenze, stehen schon. Eine Solarzellen-Fabrik wurde 2015 in Novocheboksarsk, nahe Kazan, errichtet.

Das Unternehmen ist in der Branche kaum bekannt, hat mit Victor Vekselberg aber einen bedeutenden Investor im Rücken. Seine Renova-Finanzholding ist mit 51% Mehrheitsaktionärin. Der übrige Anteil gehört Rusnano, einem staatlich kontrollierten Nanotechnologie-Investor.

Nach Umstellung auf Meyer Burgers HJ-Technologie will Hevel die Produktionskapazität von derzeit 97,5 auf 160 MW erhöhen. Das ist bescheiden. Zum Vergleich: Die Top-Photovoltaik-Modul-Hersteller der Welt haben jährliche Kapazitäten von deutlich über 3000 MW. «Obschon es ein eher kleines Projekt ist, könnte es als Referenz dienen» und, wenn erfolgreich, zu Folgeaufträgen führen, sagt ein Insider.

Probleme nicht gelöst

«Dieser mittelgrosse Auftrag bedeutet aber noch keinen Durchbruch», sagt ein anderer Marktakteur. Obschon Heterojunction unbestritten zukunftsträchtig ist, sei das Auftragsvolumen noch viel zu gering. Andere Unternehmen, die in ihrem Solar-Geschäft ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hätten, würden es im sich langsam aufhellenden Marktumfeld schaffen, richtige Grossaufträge an Land zu ziehen. Es sei unklar, weshalb Meyer Burger das nicht auf die Reihe bringe. Er weist dabei etwa auf den Auftrag über 108 Mio. $ hin, den der US-Solarzulieferer Applied Materials im Mai meldete.

Der Hevel-Auftrag reicht also nicht, um Meyer Burger aus der Bredouille zu helfen. Auch gibt es gemäss Meyer Burger keine über den Auftrag hinausgehende Gespräche mit der Hevel-Eigentümerin Renova. Für die Thuner heisst das, weiter um Aufträge zu kämpfen, um dieses Jahr endlich profitabel zu werden. Erst dann dürften sich die Voraussetzungen verbessern, um den im Mai 2017 fälligen Bond in Höhe von 130 Mio. Fr. zu akzeptablen Konditionen ablösen zu können. Solange diese Refinanzierung nicht gesichert ist, sollten Anleger an der Seitenlinie bleiben.

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