Unternehmen / Schweiz

Meyer Burger hat falsch gerechnet

Analyse | Der Solarzulieferer wird von der Börsenaufsicht gebüsst und feiert den Entscheid als Bestätigung. Richtig gute Nachrichten bleibt Meyer Burger hingegen schuldig.

Die Busse der Börsenaufsicht hat Meyer Burger gerade noch gefehlt. Dass der Solarzulieferin das Geld ausgeht, ist bekannt. Optimisten warten noch immer auf die erlösende Nachricht aus Thun über neue Aufträge. Doch sie kommt nicht. Stattdessen kocht die unschöne Geschichte um die Schliessung des Diamantdrahtgeschäfts DMT wieder auf.

Die Solarzulieferin hatte im Februar 2017 entschieden, die Tochtergesellschaft DMT aufzugeben. Die Börsenaufsicht der Schweizer Börse SIX bemängelte den buchhalterischen Umgang hiermit. Meyer Burger hatte Wertberichtigungen auf DMT von 11,9 Mio. Fr. im ausserordentlichen Ergebnis des Jahres 2016 ausgewiesen.

Kapitalerhöhung auf falscher Zahlenbasis

Das ist brisant, weil Meyer Burger Ende 2016 eine Kapitalerhöhung durchführte. Um Investoren zu überzeugen, sprach die Solarzulieferin damals vom Turnaround auf Stufe Ebitda, der erstmals seit Jahren positiv war. Allerdings nur, weil die Wertberichtigungen auf DMT als ausserordentlicher Aufwand verbucht wurden. Und genau diese Praxis bezeichnet die SIX nun als «mittelschwere Verletzung» der Rechnungslegungsvorschriften. «Insbesondere fehlte es gemäss Schiedsgericht aufgrund der seit Jahren anfallenden, hohen Verluste objektiv am Erfordernis der Unvorhersehbarkeit. Die erwähnten Wertberichtigungen hätten somit im ordentlichen Ergebnis erfasst werden müssen», lautet die Begründung der Aufsicht.

Recht bekommen hat das Unternehmen jedoch in der zweiten Streitfrage, ob es rechtens war, den Aufwand 2016 und nicht erst 2017 zu verbuchen. Die Sanktionskommission der SIX argumentierte in ihrem Sanktionsantrag 2018, die Schliessung sei nach dem Bilanzstichtag beschlossen worden. Die Aufsicht hingegen kam zum Schluss, «dass eine Fortführung der Tochtergesellschaft bereits vor dem Bilanzstichtag per 31. Dezember 2016 faktisch unmöglich war.» Meyer Burger feierte den Entscheid daher als Bestätigung, zumal eine ursprünglich angedrohte Busse von 100’000 Fr. laut Angaben des Unternehmens auf 10’000 Fr. reduziert worden war, weil das Schiedsgericht den gewichtigeren der beiden Vorwürfe als nicht begründet ansah.

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Leser-Kommentare

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Peter W. Ulli 31.01.2020 - 12:56

Musste das Schiedsgericht die Busse reduzieren, weil die grössere Summe Meyer-Burger das Genick gebrochen hätte ? Die Frage stelle ich mir Aufgrund des Vertrauensverlustes (Kommunikation ) den ich in GL und VR habe.