Unternehmen / Schweiz

Meyer Burger steht turbulente GV bevor

Besonders die Art und Weise, wie die Beteiligung an Oxford PV abgewickelt wurde, dürfte beim Solarausrüster für Kritik sorgen.

(AWP) Wenn sich die Aktionäre des angeschlagenen Solarausrüsters Meyer Burger (MBTN 0.3854 -1.18%) am Donnerstag im Kultur- und Kongresszentrum in Thun versammeln, dürfte es zu lebhaften Debatten kommen. Gleich zwei Aktionäre – die Beteiligungsgesellschaft Sentis des russisch-stämmigen Investors Petr Kondrashev und Elysium Capital von Urs Fähndrich – haben im Vorfeld Druck aufgebaut.

Für Diskussionsstoff ist gesorgt. Aufgrund des erneuten Verlusts im Vorjahr und der schwachen Aktienentwicklung dürfte es eine Reihe von enttäuschten Aktionären geben. Für Kritik dürfte aber auch die Art und Weise sorgen, wie die Beteiligung an Oxford PV abgewickelt wurde. Mit der Wahl von Remo Lütolf zum neuen Präsidenten will Meyer Burger die personelle Erneuerung im Verwaltungsrat abschliessen.

Strafanzeige gegen Verwaltungsrat

Schwer wiegen insbesondere die Vorwürfe von Elysium. Die Gesellschaft mit Sitz in Liechtenstein repräsentiert nach eigenen Angaben Aktionäre, die gut vier Millionen Aktien halten, was rechnerisch einem Anteil von rund 0,6% an Meyer Burger entspricht. Elysium hat Strafanzeige gegen den Verwaltungsrat um den abtretenden Präsidenten Alexander Vogel gestellt, wie Fähndrich am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AWP bestätigte. Zuvor hatte bereits die «SonntagsZeitung» darüber berichtet.

Grund für den Schritt ist laut Fähndrich die Art und Weise, wie die Beteiligung von Meyer Burger an der britischen Oxford PV abgewickelt wurde. Dabei hatte Meyer Burger einen Anteil von 18,4% erworben, und dies mit 62,29 Mio. neu geschaffenen Aktien bezahlt.

Oxford hat dann die Aktien direkt wieder weiterverkauft, wobei sie zu einem bevorzugten Preis einer kleinen Gruppe von Investoren angeboten wurden. Elysium sieht dadurch die Anteile der Altaktionäre verwässert. Stossend sei aber auch, dass die Aktien bei Ausschluss der Bezugsrechte zu einem Discount von rund 11% zum Marktpreis abgegeben wurden. Zudem habe ein nicht exekutives Verwaltungsratsmitglied Aktien aus der Platzierung bezogen und somit einen geldwerten Vorteil erhalten.

Vorwürfe haltlos

Meyer Burger hat bisher noch keine Informationen über die Strafanzeige von Elysium, wie Sprecherin Ingrid Carstensen gegenüber AWP sagte. Die Vorwürfe seien haltlos und entbehrten jeder Grundlage. Die Ausgabe der Aktien unter Ausschluss der Bezugsrechte begründete sie mit dem Zeitdruck und den Unsicherheiten durch den damals drohenden harten Brexit.

Auch Sentis, die laut Verwaltungsrat Anton Karl derzeit rund 6,6% an Meyer Burger hält, äussert bereits seit mehreren Monaten Kritik am Verwaltungsrat und am Kurs des Unternehmens. Insbesondere beim Verwaltungsrat wird auf eine «personelle Erneuerung» gedrungen. Die vorgesehene Wahl von Remo Lütolf auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten wird von der Beteiligungsgesellschaft begrüsst, die Wiederwahl von Franz Richter hingegen kritisiert.

Neben diesen beiden Kandidaten wurden vom Verwaltungsrat noch Hans-Michael Hauser und Andreas Herzog zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Urs Fähndrich von Elysium will über einen Initiativantrag selbst für das Gremium kandidieren.

Sentis will Aktionärseinfluss stärken

Zudem hat Sentis eine Reihe von Anträgen an die Generalversammlung eingereicht. So wird die Aufhebung des genehmigten Kapitals von rund 30,7 Mio. Aktien beantragt. Weiter soll die Schwelle gesenkt werden, ab der Aktionäre eine Generalversammlung einberufen können (auf 5% Stimmanteil von derzeit 10%) und eigene Traktanden aufstellen können (auf 3 von 10%).

Auch soll eine Frist zur Veröffentlichung des Geschäftsberichts gesetzt werden und die Mandate der VR-Mitglieder und der Geschäftsleitung begrenzt werden. Die Amtsdauer der Revisionsstelle soll maximal zehn Jahre betragen.

Vom Verwaltungsrat werden die Vorschläge von Sentis bis auf diejenigen zum Traktandierungsrecht und zur Mandatsbeschränkung abgelehnt.

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