Unternehmen / Energie

Meyer Burgers Hoffnung

Solarzulieferer tun sich in China schwer. Die Schweizer setzen auf neue Technologien.

Der Solarmarkt boomt. Seit 2010 hat sich die weltweit installierte Kapazität von Photovoltaik-Anlagen mehr als verzehnfacht. Die Kosten, um eine Kilowattstunde Strom zu produzieren, sinken rasch. Mittelfristig soll die Energieausbeute der Solarzellen von gegenwärtig 22% auf über 30% steigen, indem mit der Kombination von Heterojunction mit dem Mineral Perowskit zusätzliche Spektren des Sonnenlichts in Strom umgewandelt werden.

Der Markt wächst, die Kosten sinken. Und Meyer Burger, die Anlagen zur Herstellung von Solarzellen entwickelt, ist bei der Entwicklung der Technologie führend. Für Heterojunction kommen erste Aufträge rein, und in ein paar Jahren soll Perowskit marktreif sein. Doch der Aktienkurs der Thuner erzählt keine positive Geschichte. Allein im vergangenen Jahr ist der Kurs um 40% eingebrochen. Nach einem fulminanten Börsenstart im Jahr 2006 geht es seit 2011 bergab.

In den Nullerjahren herrschte in Europa Aufbruchsstimmung. Dann stiegen chinesische Konzerne in die Produktion von Solarzellen ein. Europäische Anbieter und damit Meyer Burgers Kunden kamen unter Druck. Erschwerend kam hinzu, dass westliche Länder nach anfänglich grosszügigen Einspeisevergütungen für Solarstrom die Förderbeiträge – teilweise rückwirkend – zurückstuften. Die installierte Kapazität der PV-Anlagen in Europa steigt zwar weiter, die lukrativen Wachstumsraten aber winken inzwischen in China.

Chinesische Industriepolitik

Chinas 2025-Plan forciert den Ausbau erneuerbarer Energien. Peking fördert nicht nur die Energieproduktion aus Solar- und Windenergieanlagen, sondern auch die Entwicklung der Industrie. In Europa starteten die Chinesen ihren Feldzug in der Solarbranche am Ende der Wertschöpfungskette, bei den Herstellern von Zellen.

Diesen Markt dominieren inzwischen chinesische Namen wie Longi, Jinko und GCL, und ihr Geschäft floriert. Auf der nächsten Stufe der Wertschöpfungskette sind die Solarzulieferer. Hier konnten sich die Europäer besser halten. Doch sie haben es schwer, in China an grössere Aufträge zu kommen.

Trifft doch einmal eine grössere Bestellung aus dem Reich der Mitte ein, kaufen die Chinesen oft gleich Anteile am Unternehmen dazu. So geschehen beim Me­yer-Burger-Konkurrenten Singulus. Der chinesische Baustoffkonzern CNBM bestellte beim deutschen Unternehmen für einen zweistelligen Millionenbetrag Maschinen zur Produktion von Dünnschicht-Solarzellen – und baute gleichzeitig einen Anteil von 17% an der kotierten Gesellschaft auf. Damit hat CNBM auch bei den Zukunftstechnologien Heterojunction und Perowskit einen Fuss drin, denn auch Singulus arbeitet daran.

Und Singulus ist kein Einzelfall: Die Zellenproduzentin Avancis ging bereits 2014 komplett an CNBM über. Conergy, einst Deutschlands grösste Solarfirma, ging im gleichen Jahr an die ebenfalls chinesische Astronergy. Die Anlagenbauerin Manz bekam mit Shanghai Electric im Jahr 2016 eine neue Ankeraktionärin. Derzeit ist Heterojunction im Fokus der chinesischen Einkaufstour. Vor wenigen Wochen gab beispielsweise GS-Solar bekannt, mit Panasonic ein Joint Venture einzugehen, an dem die Chinesen 90% halten. Teil des Deals ist, dass GS-Solar eine Heterojunction-Fabrik von Panasonic übernimmt.

Europäer sind sich uneins

In der europäischen Solarindustrie gibt es gegensätzliche Ansichten, wie mit Chinas Dominanz umzugehen ist. Solar Power Europe setzt sich für einen Energiemix mit einem hohen Solaranteil ein. Ob die Zellen und Anlagen hierfür aus Europa oder aus China stammen, ist zweitrangig. So engagierte sich der Verband, der bei den Sponsoren einige chinesische Namen führt, mit Erfolg gegen europäische Importbeschränkungen auf chinesische Solarpanels.

Das hat manche Zellen- und Anlagehersteller zur Gründung des European Solar Manufacturing Council (ESMC) bewogen. Beiden Verbänden gemein ist, dass sie jährliche Zubauraten von über 20 GW in Europa fordern. Derzeit beträgt die Zubaurate in Europa weniger als 10 GW. In China waren es im vergangenen Jahr 44 GW. Für chinesische Verhältnisse war 2018 ein schlechtes Jahr. Die Regierung hat die Fördergelder reduziert mit der Begründung, PV-Strom sei mittlerweile wettbewerbsfähig.

Der Konkurrenzdruck durch chinesische Anbieter wird in Europa weiter zunehmen. Meyer Burger ergreift die Flucht nach vorn und verlagert Vertriebs- und Servicefunktionen von Europa nach China. Die Gesellschaft setzt auf Heterojunction mit Perowskit als Alleinstellungsmerkmal. Derzeit kommen 70% des Umsatzes aus Asien, bei Singulus sind es in der Solarsparte über 80%.

Hoffnung auf weitere Aufträge schöpft Meyer Burger nach der Bestellung einer Heterojunction-Anlage der chinesisch dominierten REC. Für das langfristige Überleben sind europäische Zulieferer auf neue Wachstumsmärkte angewiesen. Denn in China verlässt man sich ungern auf die Technologieführerschaft ausländischer Firmen, und hat das in vielen Fällen auch nicht mehr nötig.

Die komplette Historie zu Meyer Burger finden Sie hier. »

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