Sponsored Blogs / M&G Bondvigilantes

Schwellenländeranleihen in Zeiten von Corona

Gregory Smith

Neben den tragischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus haben die Schwellenländer in letzter Zeit auch mit anderen Einflüssen zu tun, die zu einer erheblichen Ausweitung der Spreads geführt haben. Dabei sind drei Faktoren im Spiel. Erstens kam es zu einem rasanten Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten, der auf die Erkenntnis folgte, dass die Weltwirtschaft auf eine Rezession zusteuert. Zweitens ging die Risikobereitschaft der Anleger stark zurück und die Nachfrage nach Cash-Puffern in US-Dollar stieg. Cash wurde zum Kassenschlager und viele Anlageklassen, die üblicherweise als sichere Häfen gelten, wurden übersehen. Drittens brachte das Zerwürfnis innerhalb der OPEC die durch die geringere Nachfrage ohnehin schon schwachen globalen Ölpreise ins Trudeln. Was schlecht für Öl ist, ist auch schlecht für die Ölproduzenten (siehe unseren jüngsten Blog-Artikel), aber es ist tendenziell auch hinderlich für alle Schwellenländer: Auch wenn die Handelsbilanzen der ölimportierenden Länder etwas entlastet werden, müssen sie mit höheren Kreditkosten und den Auswirkungen einer schlechteren Marktstimmung fertig werden.

Die Spreads von
Investment-Grade-Anleihen haben Rekordhöhen erreicht, und zwar in einem Tempo,
wie es seit der globalen Finanzkrise nicht mehr zu beobachten war. Die Spreads
von Hochzinsanleihen aus Schwellenländern schnellten ebenfalls in die Höhe und
überstiegen die Schwelle von 1.000 Basispunkten über US-Staatsanleihen.

Wie stark die
Risikoaversion der Anleger ist, zeigen die rekordverdächtigen Abflüsse aus
Schwellenländeranleihenfonds innerhalb einer Woche. Diese Abflüsse trafen
sowohl Hartwährungs- als auch Lokalwährungsanleihen, die beide heftige
Ausverkäufe erlebten. Um die Geschwindigkeit und die Heftigkeit dieser Abflüsse
in einen Zusammenhang zu bringen, lohnt sich ein Vergleich mit 2008.

Was bedeutet das
für uns? Es könnte noch einige Zeit dauern, bevor wir wissen, wie lange dieser
Zustand noch andauern wird. Historisch gesehen folgten auf ein Jahr mit
negativer Wertentwicklung des Index für EM-Staatsanleihen in Hartwährung
allerdings hohe positive Renditen im kommenden Jahr. Obwohl die Vergangenheit
kein Indikator für die Zukunft ist, lässt sich daraus ableiten, dass Anleger
versuchen könnten, Gelder, die aus den Schwellenmärkten abgezogen wurden,
wieder zu reinvestieren, sobald die Risikoaversion nachlässt.

Die Schwellenländer spüren nicht nur die direkten wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen des Coronavirus, sondern auch den Nachfrageschock, der durch ihre Bemühungen entstand, alles abzuriegeln, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Negative Auswirkungen ergeben sich auch aus den geringeren Einnahmen im Reise- und Tourismussektor, dem eingeschränkten Handel und den geringeren Überweisungen. Überall da, wo man auf den Rohstoffexport angewiesen ist, werden diese Auswirkungen noch verschärft, da die Rohstoffpreise durch die weltweite Rezession nachgegeben haben.

Die Folgen sind beträchtlich, aber die globale Reaktion ist ebenfalls mutig. Die Schwellenländer schliessen sich den Zentralbanken und Regierungen der Industriestaaten an und haben enorme geld- und fiskalpolitische Massnahmen angekündigt. Selbst den Schwellenländern, die bereits hohe Defizite aufweisen oder für ihre Finanzierung auf Auslandsschulden angewiesen sind, dürfte unter die Arme gegriffen werden. Der öffentliche Sektor verstärkt angesichts von Covid-19 seine Hilfsmassnahmen. Dazu zählen auch die kürzlich vom IWF und der Weltbank angekündigten Initiativen in Milliardenhöhe. Sollten diese Bemühungen ausreichend sein, werden sie Anleger dazu ermutigen, wieder mehr Risiken einzugehen, was wiederum zur Entspannung der Liquiditätssituation beiträgt.

Die
Credit-Default-Swaps für Schwellenländer preisen derzeit eine Ausfallrate von
31,4% ein. Während der globalen Finanzkrise lagen die Ausfallraten in den
Schwellenländern jedoch deutlich unter dieser Quote. Dies deutet darauf hin,
dass die Bewertungen von Schwellenländeranleihen und -währungen plötzlich
attraktiv erscheinen könnten, wenn sich die globalen Finanzbedingungen
verbessern. Dies wird vor allem in Ländern der Fall sein, die stärker betroffen
sind, als es ihre Fundamentaldaten vermuten lassen. Dazu könnten
Schwellenmärkte zählen, in denen die coronabedingten Auswirkungen bereits ihren
Höhepunkt überschritten haben, oder diejenigen, die von grossen direkten
Auswirkungen möglicherweise verschont bleiben.