Michael Douglas gehört seit fast 50 Jahren zu den festen Grössen Hollywoods. Wall Street, Basic Instinct und Eine verhängnisvolle Affäre haben ihn berühmt gemacht. Der Weltstar ist nicht nur ein grosser Schauspieler, sondern auch ein erfolgreicher Produzent. 1976 erhielt er für Einer flog über das Kuckucksnest den Oscar. Er empfängt «Luxe» in einem Hotel in Pasadena, eine Stunde von Los Angeles entfernt. «Bonjour et bienvenue», so seine Begrüssung in tadellosem Französisch. «Zwar spreche ich die Sprache nicht gut genug für ein Interview, aber ich liebe die Schweiz und habe das Fussballteam während der Weltmeisterschaft unterstützt. Catherine und ich haben kein einziges Match verpasst!» Douglas, verheiratet mit Catherine Zeta-Jones, spricht über sich und sein Verhältnis zu seinem Vater und seinen Kindern:. Sein Fazit: «Der Douglas-Clan wird noch lange in Hollywood präsent sein.»

Es war bestimmt nicht einfach, aus dem Schatten Ihres Vaters herauszutreten. Wie haben Sie es geschafft?
Ich war schon immer von der Schauspielerei angezogen. Es ist unmöglich, dies zu erklären, ich glaube, ich habe sie einfach im Blut. Mein Vater hat mir eines Tages gesagt: «Ich habe immer hart gearbeitet, sowohl in den Filmen, die floppten, als auch in denen, die zum Grosserfolg wurden.» Also sagte ich mir, wenn ich dies so akzeptieren kann und mich bei jedem Projekt voll einsetze, habe ich möglicherweise die Chance, in seine Fussstapfen zu treten. Und nicht in seinem Schatten zu stehen.

War für Sie die Laufbahn als Produzent eine Möglichkeit, Ihren eigenen Weg zu gehen?
Ja. Nach dem Erfolg der Fernsehserie «Die Strassen von San Francisco» wollte ich eigene Filme produzieren und so mein Image wechseln. Ich wurde Produzent zu einem Zeitpunkt, als dies in Hollywood völlig unüblich war für einen Schauspieler. Auch in dieser Hinsicht folgte ich dem Beispiel meines Vaters, der sich stets auf allen Ebenen des Filmemachens engagiert hatte, indem er die besten Drehbuchschreiber, Regisseure oder Techniker suchte. So sah ich auch meine Karriere. Ich versuchte mich als Regisseur, aber dafür braucht es jahrelange Erfahrung und harte Arbeit hinter der Kamera. Eine Laufbahn als Produzent scheint mir sinnvoller.

Welchen Rat Ihres Vaters haben Sie nie vergessen?
Seinen Rat, meinem Körper Sorge zu tragen. Papa hat in physisch sehr anspruchsvollen Rollen gespielt, etwa «Spartacus». Von Beginn her sagte er mir, auf die Gesundheit zu achten. Ein Grundsatz, der ihm seine langjährige Karriere ermöglicht hatte. Er ist 101 Jahre alt, und das ist der beste Beweis dafür, dass er recht hatte. Ich habe seine Ratschläge nicht immer genau verfolgt und auch genügend gesundheitliche Probleme gehabt, um zu realisieren, wie sehr mein Vater recht hatte. Es gibt nichts Kostbareres, als sich in Form zu fühlen, um weiterhin arbeiten zu können.

Welches sind die Ratschläge, die Sie Ihren Kindern weitergeben?
Am wichtigsten ist die Passion für den Beruf des Schauspielers. Wer ins Showbusiness will, um berühmt zu werden, verliert seine Zeit. Ich habe genügend Leute im Umfeld meiner Eltern gesehen, die berühmt wurden und einige Jahre später von der Bildfläche verschwanden. Es gibt nichts Schlimmeres, mit oft üblen Folgen: Depressionen, Selbstmord, Drogen, Alkohol … Catherine und ich sagen unseren Kindern, dass man hart arbeiten muss, wenn man sich in Hollywood durchsetzen will. Wir treiben sie nicht an, hindern sie aber auch nicht, wenn sie sich für diesen Beruf entscheiden wollen. So hielt es auch mein Vater, als ich jung war. Das Einzige, was ich tun kann, ist, zu beobachten, wie die Kinder älter werden, und für sie da zu sein, wenn sie meine Unterstützung oder Ratschläge brauchen.

Welches sind die persönlichsten Erfahrungen, die Sie Ihren Kindern vermitteln?
Ich sage ihnen immer wieder, dass sie lernen müssen zu akzeptieren, wenn sie beim Vorsprechen abgelehnt werden. Das Gefühl, nicht zu genügen, zu wenig begabt, zu wenig schön, nicht gross genug zu sein – was auch immer –, ist das Schwierigste in unserer Branche. Die Ablehnung durch den Casting-Verantwortlichen ist seine ganz subjektive Entscheidung. Ich habe diese Erfahrung in meinem Leben oft gemacht. Und nicht nur am Anfang meiner Karriere! Aber ich habe mir schnell einen Panzer zugelegt. Man muss bereit sein, einen Schlag in die Magengrube einzustecken und beim nächsten Casting wieder strahlend zu lächeln.

Welchen Charakterzug haben Sie von Ihrem Vater geerbt?
Ich denke, es sind seine Arbeitskraft und der erwähnte Panzer, keine Angst zu haben, wenn jemand Nein sagt oder einem die Tür vor der Nase zuschlägt. Ich mache alles, um dies meinen Kindern zu vermitteln. Dylan ist im Sommer 18 geworden. Catherine und ich waren dabei, als er im Juni das Diplom der Masters High School in Dobbs Ferry erhielt. Jetzt kann er selbst entscheiden, ob und wann er eine Künstlerlaufbahn einschlagen will.

Heimat, Zugehörigkeit, Familie sind zu zentralen Werten geworden. Was glauben Sie, weshalb?
In der globalisierten Welt ist es wichtiger denn je, seine Herkunft zu kennen und seine Individualität zu kultivieren. Leider habe ich alle Spuren der familiären Vergangenheit meines Vaters verloren, denn mein Grossvater Danielovich verliess Weissrussland, als die Verfolgung der Kosaken auf dem Höhepunkt war und Menschen spurlos verschwanden. Glücklicherweise weiss ich viel über die Herkunft meiner Mutter.

Was denn?
Die Familie meiner Mutter lebt seit 400 Jahren auf der Insel Bermuda. Es gelang mir, ihren Stammbaum seit ihrer Ankunft zu verfolgen, denn es wurde alles minutiös in Büchern und lokalen Dokumenten notiert. Ich konnte den Weg bis zu meinem Urururururgrossvater, also sieben Generationen, zurückgehen. Ursprünglich stammt die Familie aus Schottland.

Kennen Ihre Kinder diese Geschichten?
Selbstverständlich. Während der Dreharbeiten sind wir wie Fahrende ständig unterwegs, aber unser richtiges Zuhause ist Bermuda. Unsere Kinder durchstreifen den Ort und entdecken die Strassen mit den Namen unserer Vorfahren.

Wie haben die «Douglas» das Kino geprägt?
Mein Vater und ich haben etwa 150 Filme gedreht und sind seit 80 Jahren Teil der Geschichte Hollywoods. Der Name Douglas steht für harte Arbeit. Wir sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Produzenten und kennen jedes Detail des künstlerischen Prozesses.

Ist es wichtig, dass die Douglas-Dynastie weiterhin in der sogenannten 7. Kunst aktiv ist?
Natürlich, und ich bin glücklich, dass die neue Douglas-Generation das Zepter übernimmt. Mein ältester Sohn Cameron Douglas ist bereits Künstler und Schauspieler. Die beiden jüngeren werden bestimmt ebenfalls diese Laufbahn einschlagen und in einigen Jahren vor der Kamera stehen. Selbst meine Nichte Kelsey, die Tochter meines Bruders, arbeitet als Schauspielerin. Ich hoffe, dass ich 100 Jahre Douglas-Dynastie in Hollywood erleben werde. Das wäre doch ein einzigartiger Grund für ein Riesenfest, nicht wahr?

Wie viel ist Vererbung und wie viel Zufall in dieser Schauspielerfamilie?
Wenn ich die 15-jährige Carys ansehe, erblicke ich das genetische Erbe, denn sie besitzt die Schönheit ihrer Mutter und ihr künstlerisches Talent. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich von Zufall reden möchte. Denn es geht darum, hart zu arbeiten, aber auch im richtigen Moment die richtigen Leute zu treffen.

Welches sind Ihre Projekte für die nächsten Monate?
Ich bin 73 und drehe meine erste Comedy-Serie. Ein wahres Glück. In meiner ganzen Karriere habe ich nur gerade drei oder vier Filmkomödien gedreht. Es ist also kein Projekt, mit dem ich gerechnet habe. Chuck Lorre, der Produzent von «The Kominsky Method», hat Serien wie «Big Bang Theory», «Mom» und zahllose erfolgreiche Sitcoms gemacht, sodass ich mich bei ihm gut aufgehoben fühle. Ich spiele einen in seiner Jugend berühmten Schauspieler, der aus Existenzgründen Schauspielcoach wird. Die Serie mit acht Episoden wurde für Netflix produziert, wodurch es weder Zensur noch andere Einschränkungen bei Text und Situationskomik gab.

Ist für Sie Weitergabe, nicht nur von Talent, sondern auch materiellen Gütern, wichtig?
Ich versuche, meinen Kindern die Bedeutung des Teilens zu vermitteln. Amerika wird stark kritisiert, dabei ist es das Land, das die Philanthropie erfunden hat. Es stimmt, dass die Unterschiede in Amerika enorm sind und dass sich 1% der Bevölkerung auf dem Rücken der Armen bereichert. Gleichzeitig gibt es bedeutende gemeinnützige Organisationen wie die Gates Foundation, die sich zum Beispiel im Kampf gegen Kinderlähmung weltweit einsetzt, und zwar ganz uneigennützig. Oder denken Sie an den Marshall-Plan, eine in Amerika entstandene Idee für den Wiederaufbau Deutschlands und die Herstellung eines neuen Gleichgewichts des Friedens. Ich bin immer wieder schockiert, wenn ich von Streitigkeiten und Konflikten zwischen Schiiten und Sunniten höre, die doch derselben Konfession angehören. Überlegen Sie sich, wie weit wir es in siebzig Jahren gebracht haben. Die besten Handelspartner Amerikas sind die früheren Feinde des Zweiten Weltkriegs. Den Amerikanern ist es gelungen, in einigen Jahrzehnten die Differenzen mit Japan und Deutschland beizulegen, während andere Länder sich seit Jahrhunderten bekämpfen und bekriegen.

Bremst der aktuelle Puritanismus den künstlerischen Ausdruck?
Ich glaube vielmehr, dass sich die Verleih- und Finanzierungssysteme für bestimmte Filmkategorien geändert haben und bremsend wirken. Autorenfilme haben keinen Platz mehr in den Kinos. Einige meiner grossen Filme der Achtzigerjahre würden zum jetzigen Zeitpunkt von den Patrons der Filmstudios aus verschiedenen Gründen abgelehnt. Hollywood will heute vor allem Franchises, bekannte Figuren, Superheros wie in den Marvel-Filmen, in denen ich mit Stolz mitspiele. Aber ein Film wie «Wall Street» von Oliver Stone hätte sicherlich grosse Mühe, die finanziellen Mittel zu finden, um in die Kinos zu kommen. Heute sind Netflix oder Amazon die Plattformen, wo dieser den künstlerischen Ausdruck einschränkende Puritanismus umgangen werden kann. Die Internet-Broadcaster sind die Einzigen, die es sich leisten können, Risiken einzugehen und Autoren- und Spielfilme zu finanzieren, die nicht unbedingt die grossen Massen ansprechen. Weshalb das so ist? Auf Netflix kann ein Film mehrere Jahre bezogen werden, in den Kinos wird er nach zwei oder drei Wochen zurückgezogen.

Ist der Puritanismus, der mit der Ankunft von Trump im Weissen Haus ein Comeback feiert, nicht eine Bremse?
Mein Vater könnte besser über diese neue Form des McCarthyismus Auskunft geben als ich. Er war es, der sich gegen die schwarze Liste mit den Namen der in Hollywood unerwünschten Künstler auflehnte. Diese Schauspieler, Regisseure et cetera waren Opfer einer gnadenlosen Hexenjagd, die die Mächtigen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis Mitte der Fünfzigerjahre veranstalteten.

Als er «Spartacus» vorbereitete, setzte er sich für einen Drehbuchautor ein, der auf der besagten Liste stand. Damals wollte niemand mit Dalton Trumbo arbeiten. Ich glaube nicht, dass die heutige Situation ebenso ernst ist, da es viele Möglichkeiten gibt, sich zu äussern. Was wirklich Sorgen bereitet, sind Desinformation und die Manipulation von Fakten.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Mein Film «Ant-Man and the Wasps» kommt Ende September auf DVD und BluRay heraus. In einer wichtigen Filmsequenz lassen mich die Techniker dank Computer-Spezialeffekten dreissig Jahre jünger aussehen. Die gleiche Technik nutzten sie für Michelle Pfeiffer, die meine Ehefrau spielt. Als ich mich im Film als Vierzigjährigen wiederentdeckte, hatte ich eine Idee: Ich könnte meine Anfangskarriere wieder aufnehmen und Remakes meiner Erfolgsfilme machen, mit dem Look des jungen Anfängers (lacht). Sie haben mich vorhin nach der Douglas-Dynastie in Hollywood gefragt. Dank diesen Tricks und Möglichkeiten könnten wir für immer jung bleiben. Ernsthaft, es gibt einen Film, den ich wieder machen könnte, den «Rosenkrieg». Ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen, denn ich bin sicher, dass das Publikum ein Remake mit Catherine Zeta-Jones und Michael Douglas lieben würde. Unsere Streitigkeiten sind natürlich nie so schlimm wie in dieser dramatischen Komödie, aber es wäre für uns ein grosser Spass, diese Rollen zu spielen.