Was macht eigentlich…

Michael Dukakis, Ex-Präsidentschafts­kandidat der US-Demokraten

Bei den Wahlen 1988 wurde Michael Dukakis (links)von seinem Amtskollegen aus New York, Mario Cuomo (rechts), unterstützt.

Wer in diesen Tagen Probleme mit der Lunge hat, steht automatisch unter Verdacht, das Coronavirus in sich zu tragen. So auch Michael Dukakis, demokratischer Präsidentschaftskandidat gegen George Bush senior in den Wahlen von 1988. Als die Symptome Ende März auftraten, wurde der pensionierte US-Politiker sofort auf Covid-19 getestet, mit negativem Resultat. In einem neuntägigen Spitalaufenthalt in Los Angeles kurierten die Ärzte die ­dia­gnostizierte Lungenentzündung. Er sei wieder gesund, liess Dukakis verlauten, als er letzte Woche die Klinik verliess.

Über dreissig Jahre sind vergangen seit der damaligen Präsidentschaftswahl. Die Welt heute scheint eine andere zu sein. Und dennoch ist Dukakis gegenwärtig mit seinen 86 Jahren nur neun Jahre älter als der aktuelle Herausforderer im Rennen um das Weisse Haus, Joe Biden. Dukakis scheiterte damals. Seine Niederlage gilt noch heute als Lehrbuchbeispiel ­dafür, dass Gesten und Bilder schwerer wiegen als politische Inhalte.

Noch bei der National Convention der Demokraten im Juni verfügte der Gouverneur aus Massachusetts in den Umfragen über einen enormen Vorsprung auf seinen Gegner, dem amtierenden Vizepräsidenten der Reagan-Administration. Amerika lechzte nach einem Wandel. Dukakis überzeugte mit seiner Sachkenntnis und Themen wie Bürgerrechte und Umweltschutz, die in den Reagan-Jahren vernachlässigt worden waren. Ihm fehlte allerdings der politische Spürsinn, als er sich zu einer Fotosession im US-Panzer M1A1 Abrams auf dem Gelände von General ­Dynamics überreden liess. Die Absicht: konservative Wähler gewinnen. Der Auftritt war ein Debakel. Nicht nur sass der Helm schief, Dukakis hatte beim Steuern Mühe  und fuhr das 68 Tonnen schwere Gefährt fast in die Reportermenge. Er wirkte plötzlich unglaubwürdig als künf­tiger Commander in Chief.

Von da an schmolz sein Vorsprung ­dahin. Bush gewann im November mit 7 Mio. Stimmen Vorsprung und 426 Wahlmännern, gegenüber dem Gouverneur, der es gerade mal auf 111 brachte. Diese Lehre nahmen sich Politiker fortan zu Herzen. Als Präsident Obama 2013 bei einem Empfang ein Footballhelm der Navy überreicht wurde, probierte er ihn trotz Drängens nicht an. Er erinnerte an Dukakis: «Als Präsident setzt man sich nicht ­irgendwelche Dinge auf den Kopf. Das ist die politische Grundregel Nummer eins.»

Dukakis schied 1991 offiziell aus der Politik aus. Nach mehreren Jahren im Verwaltungsrat der Eisenbahngesellschaft Amtrak nahm er den Ruf mehrerer Universitäten an. In Boston an der Northwestern University ist das Zentrum für urbane und regionale Politik nach ihm und seiner Frau Kitty benannt. In Los Angeles gibt er an der Universität von Kalifornien UCLA als Gastprofessor Seminare in Politologie.

Bis heute ist der studierte Jurist eng mit der Demokratischen Partei vernetzt. So half er der Parteigenossin Elizabeth Warren 2012 bei ihrer erfolgreichen Wahl zur Senatorin. Dieses Jahr unterstützte er sie bei ihrem Wettlauf um die Nomination als Präsidentschaftskandi­datin. Ihr schwaches Abschneiden am Super Tuesday verfolgte Dukakis zusammen mit Studenten an der UCLA. Kurz danach traten die ersten Symptome einer Lungenentzündung auf, von der inzwischen geheilt ist.

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