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Michael Petersen: Geldvermehrer im Dienste von Anlageprofis

Der Investmentanbieter Cross Equity Partners erwirbt mit 200 Mio. Fr. Kundengeldern mittelständische Firmen und trimmt ihre Führung und den Erfolg.

Im Buyout-Geschäft sind die Preise über das letztmalige Höchst vor der Finanzkrise 2007 gestiegen – trotzdem schlägt Michael Petersen, Co-Chef von Cross Equity Partners, zu. Er und das elfköpfige Cross-Team haben vor Wochenfrist den Elektroteilefertiger Boes mehrheitlich übernommen.

Das deutsche Unternehmen liefert jährlich 420 Mio. Stanzteile an Abnehmer der Auto- und der Elektroindustrie.  «Für die Finanzierung des Deals boten die Banken aggressiv viel mehr Darlehen an, als wir generell aus Vorsichtsgründen einsetzen wollen», sagt Petersen. Der Fremdkapitaleinsatz wurde vorerst auf 50% der Transaktionssumme limitiert.

Anfänglich 50%-Fremdkapitaleinsatz

Nach etwa einem Jahr, wenn erste Erfolge der neuen Unternehmensstrategie erkennbar sein sollten, würden zusätzliche Darlehen aufgenommen. Dann wird den Fondsanlegern eine erste Tranche des Risikokapitals zurückbezahlt. «Im Buyout-Geschäft ist eine rasche Kapitalrepatriierung wichtig, um die von den Anlegern für den Kapitaleinsatz erwartete zeitraumbezogene Rendite zu liefern», erklärt Petersen.

Der 54-jährige Ökonom aus Norddeutschland doktorierte an der Universität St. Gallen mit einer Arbeit zu Hostile Take-overs. Danach arbeitete er im M&A-Team des Industrieberaters Helbling während acht Jahren in der Begleitung von Mergers & Acquisitions. Längst hat sich der eingebürgerte Schweizer für sauber abgesprochene und arrangierte Firmenübernahmen entschieden. Sie würden mehr Erfolg versprechen als überrumpelnde Buyouts.

Vom Berater zum Unternehmer

Doch Petersen hatte die Ambition, Industrieller zu werden: «Als Berater bleibt einem nur zuzuschauen, wie Kunden dank der vorgeschlagenen und vorbereiteten Deals die Früchte ernten.» Deshalb gründete er im Jahr 2000 mit Markus Reich für die britische Risikokapitalgesellschaft 3i Group (III 907.2 1.32%) den schweizerischen Ableger. Der Zeitpunkt stellte sich jedoch als anspruchsvoll heraus, denn im Folgejahr implodierten die aufgeblähten Aktienkurse am Tech-Segment der Börsen.

Als 3i Group 2007 ihr Geschäftsstellennetz reorganisierte, starteten Petersen und Reich im Jahr darauf mit Cross Equity Partners ihr eigenes Buyout-Geschäft. Die beiden Unternehmensstrategen haben in ihrer Karriere bislang dreissig mittelständische Firmen der Branchen Engineering, Maschinenbau und industrielle Produktion auf neue Beine gestellt. «Oft geht es zu Beginn darum, familiengeführte KMU in eine unabhängige und effektive Führungs- und Finanzstruktur zu bringen», beschreibt Petersen.

Die Übernahmen werden mit Geld von Family Offices begüterter Privater, Investmentstiftungen, Privatbanken und Pensionskassen gestemmt. Aktuell hat das Team rund 200 Mio. Fr. Investorenkapital aufgeteilt auf fünf Buyouts im Einsatz. In den zurückliegenden Monaten brachte Cross u. a. den Schweizer Werkzeughersteller Swiss Tools und den deutschen Drahtgitterspezialisten WDM unter Kontrolle.

15% netto jährlich in Aussicht

Das Buyout-Geschäft wird wegen der hohen Einstiegspreise künftig etwas weniger für die Investoren hergeben. «Jährlich etwa 15% netto nach Gebühren müsste aber weiterhin drin liegen», prognostiziert Petersen. Das gelingt nicht immer. Im vergangenen Jahr veräusserte Cross den Schweizer Badezimmerausstatter Spirella an die im gleichen Segment aktive französische MSV Menage Selection Valnet. Spirella hatte sich während der acht Jahre im Besitz von Cross nicht wie geplant entwickelt. Die Frankenstärke und das Aufkommen von E-Commerce bremsten das Geschäft.

In vielen Fällen zahlten sich die Strategien und operativen Massnahmen der Cross-Manager für die Fondsanleger hingegen aus. «Den unternehmerischen Erfolg kann man nur über Menschen auf allen Ebenen der kontrollierten Firmen herbeiführen», sagt Petersen. Die Cross-Chefexponenten selbst ziehen deshalb zusammen mit Kennern der jeweiligen Branche oder Technologien aus ihrem Netzwerk in den Verwaltungsrat der Firmen ein und nehmen das Steuer in die Hand – so wie das ein Industriekapitän tun muss.