Markttechnik / A. Cortés

Mid Caps haben noch Platz nach oben

Wirtschaftsprognosen und Börsen stimmen derzeit weniger überein als auch schon. Vielleicht lese ich die falschen Prognosen. Die Börsen jedenfalls erwarten keine Rezession und keine Zinserhöhungen, wenigstens keine, die die Konjunktur dämpfen, und keinen Inflationsschub. Sie honorieren Innovation. So weit das globale Bild.

Weiterhin profitiert Information Technology vom aktuellen Zyklus, aber auch Industrien in anderen Sektoren, die ihre Beschaffungs- und Produktionskette in Topform halten, ihre Verwaltung digitalisieren und im Vertrieb das Rad neu erfinden. So kommt es, dass Industrieaktien wie Georg Fischer (FI-N 905 -0.49%) seit Januar mit dem Philadelphia Semiconductor Index Schritt halten. Zuvor war Fischer beispielsweise eine der Aktien, die dem SMIM (SMIM 2502.689 -0.01%) am meisten zugesetzt hatten, als er vom 28. August bis zum 27. Dezember 25% verlor.

Neue Phase

Was trieb die Börse im vierten Quartal um? Die Angst vor einer Rezession. Weshalb fiel der IT-Sektor stärker als die meisten anderen? Weil die meisten Menschen Gewinne realisieren, statt ihre Verlierertitel abzugeben. Und warum verlor in jener Zeit der SMIM rund 8% mehr als der MSCI Information Technology? Weil im Dezember panikartig verkauft wurde.

Aktien mittelgrosser und kleiner Emittenten verlieren in solchen Phasen mehr als die Grossen. Nicht zu vergessen ist, dass die Kurse in dem Sinn einen gewissen Zufälligkeitscharakter haben, als sie das unbeabsichtigte Ergebnis der beabsichtigten Handlungen einer grossen Zahl Akteure darstellen.

Als ersten Schritt gab es eine Korrektur der Übertreibungen, die sich Ende 2018 eingestellt hatten. Im März dieses Jahres setzte dann eine zehn Tage dauernde Konsolidierung ein. Danach setzte sich der Trend fort.

Welcher Trend? Der sekundäre Aufwärtstrend. Die Unterscheidung von primären, sekundären und tertiären Trends hat eine praktische Bedeutung.

Wie weiter?

Die primären Trends spiegeln ein Narrativ. Es ist die sinnstiftende Erzählung des Geschehens unter Einbezug von Wirtschaft, Recht, Gesellschaft und Politik, die eine Phase prägt. Primäre Trends entwickeln sich meistens innerhalb von 20-Monate-Bollinger-Bändern. Der primäre Trend des SMIM ist nun seitwärts gerichtet. Sekundäre Trends stellen ein Wechselspiel dar zwischen den von der Börse vorweggenommenen makroökonomischen Entwicklungen und den von Zeit zu Zeit vom Markt durchgeführten Tests, ob die erwarteten ökonomischen Daten Bestätigung finden oder nicht. In solchen Phasen wächst Verunsicherung.

Diese, kombiniert mit Umdispositionen in den Depots und sinkender Liquidität, lässt sekundäre Trends in die Gegenrichtung entstehen, die indes meistens den Rahmen des 20-Monate-Bandes nicht verlassen. Sekundäre Trends dauern wenige Monate, primäre Jahre. Tertiäre Trends reagieren auf substanzielle und unsubstanzielle Nachrichten und verdienen höchstens in dem Sinn Beachtung, als man sich mit Käufen zurückhält, wenn sie überkauft sind.

Vom SMIM erwarte ich eine ähnliche Entwicklung wie vom SMI (SMI 9898.9 0%): Es wird ein primärer Seitwärtstrend sein, der sich daraus ergibt, dass etwa 60% seiner Konstituenten einen steigenden primären Trend aufweisen, während sich bei rund 40% ein seitwärts verlaufender oder gar ein fallender primärer Trend entwickelt. Das wird reichen, um den SMIM im Seitwärtstrend zu halten.

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