Sie fragen sich wahrscheinlich, warum ein Heftapparat, den meisten als «Bostitch» oder «Tacker» bekannt, in dieser Rubrik überhaupt erwähnt wird. Dieser «Grüne» hier ist tatsächlich anders. Er löst die Aufgabe mit dem zur Verfügung stehenden Material. Wie, das erfahren Sie später.

Die Form erinnert den Nutzer schon noch an das herkömmliche Tool, allerdings mit mehr Handschmeichleroptik. Er liegt gut in der Hand, wirkt aber wegen der weichen Form nicht so präzis und könnte auch der Kategorie Handtrainingsgerät angehören.

Das übliche Gerät zum Heften von mehreren Seiten ist meist in Grau oder den Standardfarben Farben Rot, Blau, Schwarz in ABS-Kunststoff oder Metall erhältlich, hat eine Oberlademechanik für ca. hundert Heftklammern, und an der Seite befindet sich ein Metallfortsatz, der hilft, die festen Klammern aufzubiegen und loszuwerden, entweder weil man sich verklammert hat oder das Papier ordnungsgemäss in der runden Papierablage entsorgen will. Beim Nachuntendrücken des nach oben abgewinkelten Stücks der einen Seite auf die Bodenplatte wird eine Metallklammer durch mehrere Blätter gedrückt und dann meist geschlossen, Metallenden sind zueinander gerichtet, oder offen geheftet.

Man stelle sich allein die Einsparung an Metall vor, die man pro Jahr mit diesem «Staple-free-Stapler» bewirken könnte. Dies wäre sicher beachtlich.

Und nun? Hier liegt der kleine, aber feine Unterschied. Der Kleine stanzt von unten nach oben eine Papierlasche, faltet sie zurück und steckt sie durch einen Schlitz so, dass sie erstaunliche Kräfte aushalten und etliche Seiten zusammenhalten kann. Sicher keine bahnbrechende Erfindung wie einst das Wasserklosett, aber eine Evolution, die darauf basiert, die gewohnten und gewöhnlichen Dinge des Alltags zu hinterfragen, Nutzen und Funktion genau anzuschauen und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen zu stellen. Zeit zum Umdenken, denn auch bei den kleinen Dingen des Alltags liegt die Herausforderung, intelligente Lösungen zu finden.

Gewohntes neu zu entdecken, ist oftmals herausfordernder, als Neues zu entwickeln. In der Neuheit der Dinge liegt die Euphorie, die Frische des noch Nichtvorhandenseins, und es bedarf Mut und ernsthafter Auseinandersetzung mit der Sache – auch im Kleinen –, um grosse oder eben auch kleine Innovationen oder Evolutionen zu gestalten. Dennoch sind wir angehalten, dies zu tun, als Benutzer und als Designer.

Dieser «kleine Grüne» hat das getan und ist so positiv in meine Wahrnehmung gerückt. Einfach und gut und sicher doch nicht so einfach zu lösen gewesen, diese vermeintlich einfache Aufgabe: Seiten aneinanderzuheften. Und im Übrigen macht Quietschgrün am Arbeitsplatz unglaublich Laune.