Der russische Krieg gegen die Ukraine ist eine Zeitenwende für die europäische Sicherheitspolitik. Nach Jahrzehnten stagnierender oder rückläufiger Militärausgaben wird wieder aufgerüstet. In Deutschland erhält die Bundeswehr über ein Sondervermögen 100 Mrd. €, in der Schweiz wollen FDP und SVP die Armee stärken und fordern Grüne und SP auf, die Unterschriftensammlung für das Kampfjet-Referendum einzustellen. Tatsächlich liegen die Schweizer Armeeausgaben mit einem Budget von 5 Mrd. Fr. weit unter den 2% des BIP, die die Nato-Mitglieder zum Ziel haben. Deutschland gab 2020 umgerechnet 53 Mrd. $ für die Bundeswehr aus, was 1,4% des BIP entspricht. Pro Einwohner allerdings sind die Schweizer Militärausgaben mit 660 $ höher als in Deutschland. Die mit Abstand teuerste Armee leisten sich die USA, sie wenden dafür jährlich fast 800 Mrd. $ auf. Russlands Rüstungsausgaben belaufen sich auf einen Bruchteil davon. Bereinigt um Inputkosten und Kaufkraft dürfte Russlands Militärbudget jedoch doppelt so hoch sein wie die zu den laufenden Wechselkursen berechneten 62 Mrd. $. Gemessen am BIP sind Saudi-Arabien und Israel noch höher militarisiert. Mit 850 000 Soldaten ist Russlands Armee auch zahlenmässig die stärkste in Europa. Die Ukraine hat dieser Macht trotz Aufrüstung seit 2015 wenig entgegenzusetzen. 2020 gab Kiew für Rüstung etwa gleich viel aus wie die Schweiz.