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Millennials haben viel aufzuholen

Die Generation ist von der Finanzkrise gezeichnet. Sie ist risikoavers und hat bei der Vorsorge Lücken.

Die Zahlen sind schockierend. Zwei von drei Millennials haben noch keinen Cent auf die Seite gelegt für die eigene Pensionierung. Das geht aus einer Studie des National Institute on Retirement Security hervor. Natürlich haben die Leute in ihren Zwanzigern oder Dreissigern noch einige Dekaden Zeit, etwas anzusparen. Aber auch hier ist der Trend wenig beruhigend. Millennials sparen deutlich weniger als die vorhergehenden Generationen.

Ein Teil der Erklärung ist die Tatsache, dass die junge Generation wegen der Finanzkrise einen unglücklichen Zeitpunkt für den Start in die Arbeitswelt erwischt hatte. Ein Teil von ihnen machte sich auf die Suche nach einem Job, als die Arbeitslosenrate in den USA 10% erreichte.

Vorsicht als Strategie

Laut Sudipto Banerjee, Analyst des Vermögensverwalters T. Rowe Price, spüren Millennials die Folgen noch heute. «Sie sind weniger optimistisch als die vorhergehenden Generationen», sagt er. Der Vermögensverwalter hat die finanziellen Verhältnisse und die Einschätzungen von Personen untersucht, die bei ihrem Arbeitgeber eine Altersvorsorge haben. Laut Banerjee rechnen 29% der Millennials mit einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten. Von den Babyboomern sind es nur 15%.

Jeder dritte Millennial sieht es auch als wahrscheinlich, dass er im nächsten Jahr den Arbeitsplatz verlieren wird. Von den Babyboomern ist es nur jeder Vierte. Laut Jean Young, Analystin beim Vermögensverwalter Vanguard, sind «Junge und Frauen tendenziell weniger risikofreudig». Das war aber schon früher so und ist gemäss Young nicht spezifisch für die Generation der Millennials.

Gemäss einer Umfrage der Grossbank UBS (UBSG 12.055 0.88%) von Anfang 2014 unterscheidet sich die Asset Allocation der Millennials dennoch deutlich von derjenigen anderer Generationen. Die junge Generation hält im Mittel die Hälfte der Anlagesumme in liquiden Mitteln und ein Viertel in Aktien. Bei den anderen Altersklassen ist es gerade umgekehrt.

Eine Umfrage des Finanzinstituts Bankrate kommt zu einem ähnlichen Schluss. Die Millennials sind die Einzigen, die derzeit Bargeld als Investment bevorzugen. Alle anderen Generationen setzen auf Aktien. Dieses Bild stimmt allerdings nicht ganz. «Dank neuen Produkten wie Target Date Funds, deren Aktienquote an das Alter gekoppelt ist, haben die Millennials ein Aktienexposure, das an das Ziel der Pensionierung angepasst ist», sagt Young. Darum haben Millennials, die vorsorgen, eine passende Aktienquote.

Gemäss  einer Analyse von 4 Mio. Privatkunden von Vanguard ist jeder fünfte Investor ein Millennial. Jeder Dritte ist ein Babyboomer und jeder Vierte ein Mitglied der Generation X. Die kleinste Gruppe, die Silent Generation, ist die wohlhabendste. Ihr Medianvermögen entspricht mehr als dem Dreifachen des Medianvermögens aller Privatkunden von etwa 60 000 $. Das Medianvermögen der Millennials beträgt gerade einmal 12 600 $.

Eine Frage der Nachfrage

Robert Arnott, der Gründer und CEO von Research Affiliates, wirft darum die Frage auf, wer denn all die Wertpapiere kaufen soll, wenn die Babyboomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, ihre Aktien und Anleihen zu Geld machen wollen – und die Millennials kein Geld haben. Er rechnet damit, dass Aktien in den kommenden zehn Jahren eine lausige Entwicklung vor sich haben.

Laut William Emmons, Ökonom der Distriktnotenbank St. Louis, sind «Wertpapiere momentan eher hoch bewertet». «Das ist die Kehrseite der starken Performance der vergangenen Jahre», ergänzt er. Während davon primär die älteren, vermögenden Generationen profitiert haben, muss die junge Generation laut dem Ökonomen mit Aktien wegen der hohen Bewertung in den nächsten Jahren wohl eine geringere Rendite in Kauf nehmen.

Laut Arnott wird es «dem durchschnittlichen Millennial schlechter gehen als dem durchschnittlichen Babyboomer im gleichen Alter». Das werde ökonomische Konsequenzen haben, nicht notwendigerweise bei der Menge der angebotenen Güter, vielleicht aber beim Preis. Denn so, wie die Preise in den vergangenen Jahren wegen der hohen Nachfrage gestiegen sind, können sie bei nachlassender Nachfrage auch wieder sinken. Das ist für die jüngere Generation ein Lichtblick.

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