Galerien / Was zählt 14:20 - 24.03.2017

Millionäre auf der Flucht

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Leben wie Gott in Frankreich, lautet ein geflügeltes Wort. Passé: Liebliche Landschaften, schöne Städte, erstklassiges Essen, wundervoller Wein hin oder her – wird der Fiskus zudringlich, werden Verhältnisse instabil, dann reissen die Reichen aus. Zuflucht finden Dollarmillionäre, die sich zwar nicht an Leib und Leben, jedoch an Hab und Gut gefährdet sehen, vor allem in angelsächsischen Ländern, wo sich gute Lebensqualität durchaus auch arrangieren lässt. Und: Trotz Jux und Tollerei in Washington werden die USA offenbar immer noch als einer der sichersten Häfen betrachtet. Dass die Schweiz in dieser Aufstellung nicht als bevorzugte Destination erscheint, ist aus diplomatischer Sicht nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre eher beruhigend. Der Exodus aus Frankreich – immerhin das zweite Kernland der EU bzw. der Eurozone, wenngleich im Hintertreffen auf Deutschland und vor einer wenig ermutigenden Präsidentschaftswahl – ist besonders alarmierend; er kann als Misstrauensindikator gelesen werden. Der Auszug aus den «Emerging Markets» China, Brasilien (stark im Anstieg) und Indien überrascht angesichts Rechtsunsicherheit oder wirtschaftlicher Probleme weniger. Die massiv angeschwollene Republikflucht aus der Türkei ist schon gar kein Wunder, Erdogans Berserkertum schreckt ab. «Das Kapital ist ein scheues Reh», soll Karl Marx gesagt haben. Für einmal mit Recht.