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Minderheiten


Minderheiten

Wie viel Ware braucht der Mensch? Die Antwort stand hier, im Juli, aufgereiht in Familienrationen an nötigstem ­Hausrat. Dieser Hof findet sich in Karakosh, der vormals grössten christlichen Stadt des Irak. Nachdem der ­«Islamische Staat» – gotteslästerliche Barbaren – im Juni die nordirakische Metropole Mossul eingenommen hatte, strömten Tausende Angehörige von Minderheiten hierher. Aus Angst vor Mord, Raub und Zwangskonversion. In ­Karakosh, wo damals etwa 400 000 assyrische Christen ­lebten, fanden die Flüchtlinge Aufnahme. Vorübergehend, denn im August überrannten die Schufte unter der schwarzen Fahne auch diese Stadt. Das Ende des einst ­bedeutenden und uralten Christentums im Zweistromland ist abzusehen. Schon heute lebt die Mehrheit der Assyrer und anderer orientalischer Christen (Chaldäer etwa) in ­Europa, Australien und den USA. Wer vielleicht noch mit ­einer bunten Decke aus Karakosh als letztem Hab und Gut ins Kurdengebiet geflohen ist, wird nun wohl sein ­letztes Weihnachtsfest im Irak feiern und dabei träumen von Stockholm oder San Diego. In den USA leben am meisten Assyrer (über 120 000) just im rauen Raum Detroit. Wohl auch nur eine Durchgangsstation. MR Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?