«Mir gefallen Cham Paper»

Herr Lee, die Börsen sind in diesem Jahr deutlich volatiler geworden. Ihr Rezept, um trotz Schwankungen eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen?
Wir haben unseren Fonds teilweise mit Leerverkäufen und derivativen Instrumenten abgesichert. Allein mit Shorts nehmen wir zeitweise 50% unseres Risikos heraus. In den Boomjahren an den Börsen wird der Fonds mit diesen Absicherungsgeschäften etwas gebremst, in diesem Jahr hat er davon profitieren können. Gerade bei den Einbrüchen wie im Januar oder August fielen die Kursverluste des Fonds deutlich geringer aus als im Gesamtmarkt.

Welche Titel haben zur guten Performance in diesem Jahr beigetragen?
Der Fonds setzt auf Nebenwerte, und die sind in diesem Jahr sehr gut gelaufen. Der Schweizer Small-Cap-Index hat seit Januar rund 9% zugelegt. Unsere Trümpfe waren Titel wie die Genfer Kantonalbank oder der Aussenwerber APG, die im Jahresverlauf im zweistelligen Prozentbereich zugelegt haben. Aber auch Galenica (GALE 62.70 +0.64%) und IVF Hartmann (VBSN 169.00 +1.2%) liefen gut.

Welche Strategie verfolgen Sie mit ihrem Fonds?
AMG ist ein unabhängiger Vermögensverwalter. Das erlaubt uns, wie ein Unternehmer zu investieren. Wenn wir Titel kaufen, dann denken wir für die nächsten fünf bis zehn Jahre voraus. Wir haben gleichzeitig auch Anleger, die diesen Zeithorizont verstehen.

Welche Voraussetzungen müssen Aktien erfüllen, um in Ihrem Fonds Aufnahme zu finden?
Idealerweise sind es Titel, deren Bewertung beim Zehn- bis Zwölffachen des Gewinns liegt. Derzeit sind diese Bewertungen im Fonds etwas höher, da die sechsjährige Hausse das Niveau nach oben getrieben hat. Zur Absicherung über Leerverkäufe suchen wir aber auch Titel mit einem hochnegativen Beta, also solche Werte, die in einem negativen Markt überdurchschnittlich viel verlieren. Zu diesen Titeln gehören beispielsweise UBS (UBSG 14.13 +0.11%), ABB (ABBN 30.61 +0.23%) oder Zurich Insurance (ZURN 385.70 +1.29%).

Hat die gestiegene Volatilität zu einer Anpassung Ihrer Strategie geführt?
Wir sind etwas vorsichtiger geworden und setzen vermehrt auf etwas liquidere Titel. Unser Fonds schüttet jeweils im Frühling eine grosse Dividende aus. Deshalb haben wir Positionen in etwas grösseren Werten wie Swatch Group (UHR 293.10 +2.27%) oder Swiss Life (SLHN 459.80 +1.19%) beigefügt, die wir relativ leicht wieder veräussern können. Gleichzeitig verlagern wir uns vermehrt auf Spezialsituationen.

Welche Titel sind jetzt noch kaufenswert?
Die Blue Chips sind derzeit deutlich zu günstig. Besonders Versicherertitel wie Swiss Re (SREN 87.74 +0.73%) und Swiss Life oder auch Swatch Group sind tief bewertet, und selbst die ganz grossen Werte werfen heute noch eine attraktive Risikoprämie ab. Bei den Nebenwerten gefallen mir beispielsweise Cham Paper Group. Hier erwarte ich für die kommenden Jahre eine jährliche Rendite von 5 bis 10%. Auch der Versorger BKW (BKW 104.00 +1.76%) hat gezeigt, dass er sich mit den schwierigen Bedingungen im Strommarkt zurechtfindet und schöne Renditen erwirtschaften kann.