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«Mit China würde der Finanzplatz Schweiz an die Topliga anklopfen»

Zürich soll Handelsplatz für den Yuan werden. Hans-Peter Portmann, FDP-Politiker, Vize des Zürcher Bankenverbands und Chef von LGT (Schweiz), erklärt seine Idee.

Herr Portmann, die FDP tritt unter Ihrer Regie für Zürich als internationalen Handelsplatz für den Yuan und chinesische Wertpapiere ein. Wird Zürich zum neuen Hongkong?

Mitnichten – Zürich soll sich nicht an Bestehendem messen, sondern künftig als globales Finanzmarktzentrum neue Massstäbe setzen.

Den Finanzplatz aufwerten, okay, aber warum gerade China? Gibt es keine Alternativen?
China will international wachsen und braucht darum einen funktionierenden Finanzmarkt für seine Währung und die Wertpapiere. Wir müssen uns von den Fesseln der EU und der USA lösen. Also (ALSN 261.50 -3.51%) ein perfektes Timing für beide Seiten. Realistischerweise muss man zugeben, dass es keine Alternativen zu China gibt, es gibt nur parallel zu China noch einen weiteren notwendigen Ausbau des Handels mit Indien, Brasilien und Südafrika.

Ist China mehr als eine Vision?
Ein globales Handelszentrum Zürich, an dem die Welt nicht vorbeikommt – ja, das ist eine Vision. Eine Lizenz für die Zürcher Börse, das Clearing mit dem Yuan und der Handel mit chinesischen Wertpapieren sind mehr als ein Traum.

Was sind Zürichs Trümpfe gegenüber Konkurrenten wie Hongkong und Singapur?
Wegen der globalen Zeitverschiebungen müssen Hongkong und Singapur mit ins Boot geholt werden. Konkurrenten wären eher London, Frankfurt oder New York. Doch da liegen unsere Trümpfe ganz klar in der Neutralität. Wir sind nicht Anhängsel einer Wirtschafts- oder Militärmacht, sodass China mit uns auch nie in einem entsprechenden Interessenkonflikt stehen wird.

Wie sehen Sie den zeitlichen Ablauf?
Zürichs Börse wird aufs erste Halbjahr 2015 bereit sein, auch fremde Währungen zu clearen. Die Politik hat also rund ein Jahr Zeit, die nötigen Grundlagen zu schaffen.

Was sagen die Chinesen zu dem Plan?
Bis jetzt habe ich nur zustimmende Reaktionen erhalten. Der Ball liegt also bei uns, ob wir nicht wieder mit unserer Neid- und Umverteilungspolitik alles überregulieren wollen und das Haar in der Suppe suchen. Da sagen sich die Chinesen wohl «abwarten und Tee trinken».

An China haben sich schon manche ausländischen Partner die Zähne ausgebissen. Sie nicht?
Ich habe gute Zähne, immer noch keine einzige Plombe. Und da ich solche Projekte immer relativ ge­lassen angehe und ein politischer Marathonläufer bin, mache ich mir darüber gar keine Gedanken.

Sie sind auch Kapitalmarktspezialist. Würden Sie als Kapitalanleger in China investieren?
Ja, ich beteilige mich selbst in einem überschaubaren Rahmen auch an chinesischen Anlageportfolios. Jedoch würde ich mir nie selbst zutrauen, die richtigen Einzelanlagen herauszupicken.

Ist das bisher Ihr grösstes Projekt? Worauf sind Sie in Ihrer politischen Laufbahn besonders stolz?
Es reiht sich ein in meine politischen Initiativen wie zum Beispiel die Entstaatlichung des Zürcher Flughafens oder der Beamtenversicherungskasse sowie die Lancierung meines Steuermodells Easy Swiss Tax, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Erhalt von Arbeitsplätzen im Finanzdienstleistungssektor oder meine Einflussnahme in die sogenannte Weissgeld- sowie Finanzplatzstrategie bzw. in meinen Widerstand gegen die Demontage des Bankgewerbes.

Und was ärgert Sie noch heute?
Dass meine zürcherische Volksinitiative Easy Swiss Tax die letzte Hürde im Nationalrat wegen fünf fehlender Stimmen nicht geschafft hat. Da bleibe ich aber dran und werde mit einem nationalen Projekt zur Vereinfachung des Steuersystems vielen politischen Mitkonkurrenten irgendwann einmal wieder auf die Nerven gehen.

Wo, glauben Sie, steht der Finanzplatz Schweiz im Jahr 2020?
Wenn Politik und Finanzplatz­akteure es nicht vermasseln, klopft der Finanzplatz Schweiz noch vor 2020 an die Tür der Topliga der grossen Finanzmächte – mit dem Unterschied, dass damit nicht Weltmachtallüren befriedigt, sondern Arbeitsplätze, Wohlstand und die soziale Solidarität für die nächsten Generationen gesichert werden.