Vor zwei Dekaden fast wurde auf der Motor Show in Detroit der Maserati Kubang GT Wagon vorgestellt, eine Studie von Giugiaro, auf der Plattform eines Audi A8. Das Projekt kam nie zustande, Audi wollte nicht, Maserati hatte das Geld für die weitere Entwicklung – wie so oft – nicht. Dabei wäre der Kubang mit dem Porsche Cayenne der erste sportliche Premium-SUV gewesen. Aber Maserati stand sich selbst im Weg, verpasste eine Chance – und kam 2016 mit dem Levante reichlich spät.

Auch mit dem Grecale kommen die Italiener sicher nicht zu früh; Porsche, zum Beispiel, hat den Macan seit 2014 im ­Programm. Und mit diesem Vergleich ist auch klar, wo der Grecale, Maserati-­typisch nach einem Wind benannt, positioniert wird. Der Levante, 5 Meter lang, gehört ins E-Segment, der Grecale mit ­seinen «nur» 4,85 Metern ins D-Segment. Als Basis dient dem jüngsten Spross aus Modena die Giorgio-Plattform, auf der auch die Giulia und der Stelvio von Alfa Romeo basieren.

Zusätzlich hat man dem Grecale noch eine Luftfederung verpasst. Die ist in der Basisversion Option, bei den stärkeren und folglich teureren Modellen soll sie Standard werden. Damit lässt sich die ­Karosse des Maserati nicht nur um 35 ­Millimeter absenken, sondern im Offroad-Modus auch 30 Millimeter erhöhen. Wankbewegungen macht der Grecale daher so gut wie keine. Das ist erstaunlich, denn das können sportliche SUV sonst nur, wenn sie bretthart abgestimmt sind. Der Maserati ist aber im Komfortmodus genau das, erfreulich komfortabel.

Bei den Motorisierungen halten sich die Italiener noch bedeckt. Fahren durften wir nur den 2-Liter-Turbo, der mit seinem 48-V-Bordsystem als Hybrid gilt. Man kennt diese Maschine aus dem Levante und dem Ghibli, dort führen sie 330 PS, im Grecale werden es nur 300 sein. Der Italiener schafft es so in 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, maximal auf 240 km/h. Das ­haben wir auf der regennassen Strecke nicht versucht, hatten aber Freude an der 8-Gang-Automatik, die sanft schaltet – und auch dank 450 Nm maximalem Drehmoment, das zwischen 2000 und 4000/min anliegt, immer den richtigen Gang zur Verfügung stellt. Klar: Allradantrieb.

Innen wird es spannend. MIA, Maserati Intelligent Assistant, heisst das Betriebssystem auf Android-Basis, also modern. Oben gibt es einen Touchscreen, darunter einen zweiten, stärker geneigten Bildschirm mit Direktzugriff etwa auf Heizung oder Radio. Das hat Maserati clever gelöst.

Man darf davon ausgehen, dass man diese Lösung in Zukunft auch in anderen Stellantis-Fahrzeugen finden wird, denn da haben die Italiener einen Lösungs­ansatz gefunden, der wirklich überzeugen kann. Dass all dies in feinsten Materialien ausgeführt wird, das versteht sich bei ­Maserati von selbst. Preise mag Maserati noch keine kommunizieren; Schnäppchen waren ihre Fahrzeuge noch nie. Mit dem Grecale schafft Maserati ab Frühling eine Alternative aus Italien zu den bekannten deutschen Produkten.