Meinungen

Mit PEPP gegen die Zinspanik

Die Europäische Zentralbank hat beschlossen, deutlich mehr Staatsanleihen aufzukaufen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Die EZB hat am Donnerstag eine starke Ansage an die Zinsmärkte gemacht: Sie duldet keine Straffung der finanziellen Bedingungen.»

Ab sofort will die Europäische Zentralbank (EZB) vehementer als bisher gegen den Zinsanstieg vorgehen, der die Anleihen- und Swapmärkte erfasst hat. An seiner Sitzung am Donnerstag hat der EZB-Rat beschlossen, die Staatsanleihenkäufe in den kommenden zwei Monaten signifikant hochzufahren. Präsidentin Christine Lagarde vermied zwar genaue Zahlen, aber dass die EZB-Spitze dem Zinsanstieg einen Riegel vorschieben will, wurde aus ihren Ausführungen überdeutlich.

Denn die EZB hält steigende Zinsen für nicht gerechtfertigt. Die neuen Wachstumsprognosen für die Wirtschaft des Währungsraums beliess sie gegenüber den Vorhersagen im Dezember weitgehend unverändert. Zu hohe Zinsen würden den Aufschwung gefährden. Die Inflationsprognosen wurden zwar für 2021 und 2022 nach oben korrigiert, auf 1,5 resp. 1,2%. Aber der Ökonomenstab der EZB geht von temporären Effekten aus. Die Prognose für 2023 belässt er auf 1,4%. Über den gesamten Zeitraum hinweg bleibt die Teuerung weit vom offiziellen Inflationsziel von knapp 2% entfernt.

Die Staatsanleihenkäufe sollen im Rahmen des Pandemie-Notfallprogramms PEPP stattfinden. Es wurde vor einem Jahr lanciert und in den folgenden Monaten bis auf 1850 Mrd. € aufgestockt. Sein Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Anleihenkaufprogramm besteht darin, dass PEPP in der Ausführung kaum Grenzen auferlegt sind. Diesen Flexibilitätsvorteil will die EZB nun voll ausspielen. Gekauft wird wann und wo immer und so viel, wie es die Marktsituation erfordert. Der EZB-Rat entscheidet von Quartal zu Quartal, ob das Tempo erhöht oder verringert wird.

Auch eine Erhöhung des gesamten PEPP-Volumens schliesst Lagarde nicht aus. «Uns stehen noch rund 1 Bio. € für Käufe zur Verfügung», sagte sie am Donnerstag nach der EZB-Sitzung. Das Volumen müsse nicht unbedingt voll ausgeschöpft werden, aber genauso gut könne es hochgefahren werden, falls sich herausstelle, dass die Mittel nicht ausreichen, um angemessen lockere finanzielle Bedingungen im Euroraum sicherzustellen.

Die EZB hat am Donnerstag eine starke Ansage an die Zinsmärkte gemacht: Sie duldet keine Straffung der finanziellen Bedingungen. Nun muss sich zeigen, wer die Oberhand gewinnt.

Leser-Kommentare

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Christoph Saetteli 11.03.2021 - 20:36

Ich würde nicht gegen Europäische Zentralbank (EZB) wetten.

Oliver Schmid 16.03.2021 - 22:06

Starke Ansage ? Nur weil die EZB weiter die Staaten mit billigem Geld versorgen muss und so die Märkte ignoriert ? Die Märkte reagieren sensibel auf Inflationszahlen und sind ein gutes Barometer, dass diese schneller steigt als erwartet. Mal sehen wer am Schluss richtig liegt, glaub nicht die EZB.