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Molecular Partners präsentiert neue Daten

Das Schweizer Biotech-Unternehmen und seine Partnerin Allergan haben Zweijahresdaten zum Augenheilmittel Abicipar veröffentlicht.

(AWP/RB) Der US-Partner Allergan der Schweizer Biotechfirma Molecular Partners (MOLN 20.5 -6.82%) hat wie angekündigt weitere Daten zum Augenheilmittel Abicipar vorgestellt. Abicipar habe in den Phase-III-Studien CEDAR und SEQUOIA zur Behandlung der neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration (nAMD) auch im zweiten Jahr gute Resultate erzielt, teilte Allergan in der Nacht auf Samstag mit.

Im zweiten Jahr dieser Studien hätten vier Injektionen von Abicipar dazu geführt, dass die Sehgewinne bei nAMD-Patienten vergleichbar mit der monatlichen Injektion des Novartis-Präparats Ranibizumab (Lucentis) gehalten werden konnten, hiess es. Allergan hat die jüngsten Resultate am Fachkongress AAO in San Francisco vorgestellt.

Mehrheit der Patienten muss nur alle drei Monate behandelt werden

Der bedeutendste Vorteil Abicipars ist die Wirksamkeit der Behandlung im Zwölfwochenintervall bei der grossen Mehrheit der Patienten. Wie im ersten Jahr konnten auch im zweiten mehr als 90% der Studienteilnehmer diese Behandlungsform aufrechterhalten. Sie mussten also nicht auf das kürzere Achtwochenintervall umsteigen. Die Injektionen erfolgen direkt in den Augapfel. Je weniger davon nötig sind, desto angenehmer für die Patienten. 

«Über beide Jahre zusammengenommen hat sich der Dreimonatsrhythmus bei mehr als 90% aller Patienten bewährt», sagt der Mediensprecher von Molecular Partners, Thomas Schneckenburger. Beim kürzlich zugelassenen Beovu von Novartis (NOVN 81.37 -4.33%) waren es nur rund 42% nach zwei Jahren (etwas mehr als 50% nach einem Jahr). Die andere Hälfte muss spätestens alle acht Wochen dosiert werden. Das Mittel darf je nach Patient vom Arzt alle 8 oder 12 Wochen verabreicht werden, wobei der Dosierungsrhythmus nicht von Behandlungsbeginn bekannt ist. Dies ist aus Sicht von Molecular Partners ein deutlicher Nachteil, sowohl für den behandelnden Arzt als auch für den Patienten.

Knacknuss Nebenwirkungen

Die Entwicklung Abicipars hatte sich verzögert, es könnte nun aber Mitte nächsten Jahres in den USA zugelassen werden. Zu Beginn ist es bei vielen Patienten zu Nebenwirkungen (hauptsächlich Entzündungen) gekommen. Im zweiten Jahr der präsentierten Daten sind schwere Fälle ausgeblieben, die Quote der Neuentzündungen belief sich auf noch knapp 2%. Das ist vergleichbar mit dem älteren Lucentis (1%).

Das Medikament wurde im Verlauf der Entwicklung verbessert. Waren in den ersten Studien im ersten Jahr noch 15% der Teilnehmenden von Nebenwirkungen betroffen, waren es in den Phase-III-Studien noch 8%. Schneckenburger räumt ein, dass das immer noch etwas mehr ist, als bei Beovu von Novartis. Er streicht dafür die deutlich höhere Ansprechrate auf die Dreimonatsbehandlung hervor. 

Marktpotential auf rund 2 Mrd. $ geschätzt

Abicipar hat auf jeden Fall den Nachteil, dass es als viertes Medikament auf den Markt käme, nach Lucentis von Roche (ROG 310 -3.86%)/Novartis, Eylea von Regeneron/Bayer (BAYN 63.55 -5.02%) und Beovu von Novartis. Es wird sich zeigen, welchen Marktanteil die Verkaufsabteilung von AbbVie (ABBV 85.42 -3.38%) zu erringen vermag. Der US-Konzern übernimmt die irische Allergan und wird für den Vertrieb Abicipars zuständig sein. Der Markt für neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration und ähnliche Sehbehinderungen wird auf über 10 Mrd. $ geschätzt. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung dürfte er weiter stark wachsen.

Die von Bloomberg berücksichtigten Analysten schätzen das Marktpotential von Abicipar in der Spitze um 2028 durchschnittlich auf knapp 2 Mrd. $. Wird es zugelassen, sollen die Umsätze ab nächstem Jahr von 33 bis 2022 auf 364 Mio. $ steigen. Die Konsensschätzung für 2024 beträgt schon annähernd 1 Mrd. $.

Abicipar basiert auf der DARPin-Technologie des Schweizer Biotechunternehmens, das im Erfolgsfall millionenschwere Meilensteinzahlungen und Lizenzeinnahmen erhält. Allergan hatte Anfang September mitgeteilt, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA den Zulassungsantrag von Allergan für das Mittel angenommen hat. Zudem hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA die so genannte Marketing Authorisation Application (MAA) für das Mittel validiert.

Die Entscheidungen über die Zulassung werden Mitte 2020 (FDA) bzw. in der zweiten Jahreshälfte 2020 (EMA) erwartet.