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Morgan Stanley hebt bei ABB die Warnflagge

Die Aktien ABB sind zwar noch auf der «Conviction Buy»-Liste der Morgan-Stanley-Analysten, die Perspektiven für den Industriekonzern haben sich ihrer Meinung nach aber eingetrübt.

Investoren lieben Ranglisten. Deshalb profilieren sich Analysten regelmässig mit sogenannten Conviction Lists, also Überzeugungslisten. Dort findet man die Aktien, von deren zukünftigem Erfolg oder Misserfolg die Experten überzeugt sind. Auf der aktuellsten Conviction List der US-Investmentbank Morgan Stanley (MS 64.90 +1.31%) werden elf Aktien aufgeführt. Zehn davon mit besonders positiven Aussichten, wie Daimler (DAI 57.87 +1.94%), Philips (PHIA 43.07 +0.09%), Reckitt Benckiser (RB. 6'378.00 +0.68%). Ein einziger Titel fällt jedoch mit negativen Perspektiven auf – der Technologiekonzern ABB (ABBN 23.90 -0.38%).

Die Analysten von Morgan Stanley sehen in den Ende Juni gegenüber Reuters gemachten Aussagen des ABB-Konzernchefs Ulrich Spiesshofer ein Warnsignal. Er bezeichnete den Kurs von ABB als «Segeln in schwerer See angesichts einer wirklich herausfordernden Lage am Markt». Das Wachstum in China habe sich verlangsamt und durch die anhaltend niedrigen Energiepreise seien rückgängige Investitionen und damit nachlassende Nachfrage im Öl- und Gassektor zu erwarten. Auch sei der US-Markt schwächer als in der Vorjahresperiode, hiess es.

Gleich mehrere Gründe für Sorgen

Rückläufige Margen in der Automationssparte, traditionell das profitablere Geschäft als die Elektrotechnik, machen Morgan Stanley besondere Sorge. Auch Wechselkurseffekte sollen sich stärker als erwartet niederschlagen. Keine rosigen Aussichten also. So ist der Kursschub, den die ABB-Aktie nach Bekanntwerden der Beteiligung des schwedischen Investors Cevian Anfang Juni erfahren hat, bereits wieder mehr als verflogen. Cevian ist ein aktiver Investor, der bis auf eine Ausnahme (Bilfinger) ein glückliches Händchen bei langfristigen Aktienengagements bewiesen hat.

ABB hält an den gesteckten Zielen vorläufig fest. Bis 2020 will der Konzern ein Umsatzwachstum zwischen 4 und 7% erreichen, die Kernmargen sollen bei 11 bis 16% liegen. Jährlich soll ein operativer Gewinn pro Aktie um 10 bis 15% erzielt werden. Die Semesterzahlen von ABB am 23. Juli werden offenlegen, ob die See tatsächlich so stürmisch ist, wie von Spiesshofer und Morgan Stanley suggeriert.