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Musik drin

Im Biotech-Sektor spielt die Musik für Anleger schon seit längerem. Ganz besonders gilt dies für Jazz Pharmaceuticals. Neuerdings wird über einen Verkauf der Gesellschaft an Allergan spekuliert.

Dominik Feldges

Im Biotechnologie-Sektor spielt die Musik schon länger. Doch mit den Aktien von Jazz Pharmaceuticals (JAZZ 145.67 +1.16%) (Nasdaq: JAZZ; 170.85 $; Börsenkapitalisierung von 10,3 Mrd. $) haben Anleger während der mittlerweile dreijährigen Biotech-Hausse noch mehr profitiert als vom Branchendurchschnitt. Während sich der Nasdaq Biotechnology (Nasdaq Biotechnology 4'926.09 -0.07%) Index seit August 2011 gut verdreifacht hat, sind  die Jazz-Valoren inzwischen mehr als viermal so viel wert wie damals.

Die Manager des 2003 im kalifornischen Palo Alto gegründeten Unternehmens sind nicht bekannt dafür, begnadete Jazz-Musiker zu sein. Auf der Website des Unternehmens wird die ungewöhnliche Namenswahl damit begründet, dass in der Biotechnologie ähnliche Gesetzmässigkeiten wie im Jazz gelten würden: Die Zusammenfügung verschiedener Talente und Stile zu einer Band mache den Reiz aus – mehr als der Beitrag jedes Einzelnen.

Anleger spekulieren gegenwärtig auf eine Übernahme von Jazz. Am vergangenen Freitag wurden die Aktien 7% nach oben katapultiert, nachdem im Markt das Gerücht aufgetaucht war, die US-Pharmagruppe Allergan sei an einem Erwerb interessiert. Allergan, die auf Basis einer Marktkapitalisierung von 51,4 Mrd. $ fünfmal so viel Gewicht auf die Börsenwaage bringt wie Jazz, befindet sich ihrerseits im Visier eines Konkurrenten. Seit Frühling buhlt der akquisitionsfreudige kanadische Medikamentenhersteller Valeant um eine Übernahme des vor allem für sein Botox-Nervengift bekannten Unternehmens.

Ein Kauf von Jazz böte Allergan die Chance, durch eine sogenannte Tax Inversion den Sitz von den USA nach Irland zu verlegen. Jazz ist dort seit 2011 domiziliert, als das kleine irische Pharmaunternehmen Azur in ihren Besitz wechselte. Ein Verkauf an die in Quebec ansässige Valeant würde eine derartige Steueroptimierung nicht ermöglichen.

Allerdings kursieren nicht zum ersten Mal Spekulationen, dass sich Allergan durch eine Akquisition dem Griff von Valeant entziehen könnte. Allergan wurde auch schon mit dem irischen Wettbewerber Shire in Verbindung gebracht, der inzwischen in den Verkauf an den US-Pharmakonzern Abb­Vie eingewilligt hat. Vor drei Wochen hiess es, Allergan sei an Salix interessiert, zu deren grössten Anteilseignern neu der an der SIX kotierte italienische Medikamentenhersteller Cosmo (COPN 71.30 -1.25%) zählt.

Für eine erfolgreiche Übernahme von Jazz, die seit längerem hoch in der Gunst von Anlegern steht, müsste Allergan eine grössere Prämie offerieren. Doch Investoren bietet auch ein Alleingang Chancen. Jazz arbeitet hochprofitabel. Im vergangenen Jahr erreichte die Ebit-Marge 57,2%, was im Branchenvergleich ein Spitzenwert ist.

Die Analysten von Goldman Sachs (GS 407.89 -1.04%) und von Barclays (BARC 198.88 -0.4%) rechnen bis 2016 mit einer Verdoppelung des um Sonderposten bereinigten Gewinns pro Aktie auf rund 12 $, was ein moderates KGV von 14 ergibt. Grösster Wachstumstreiber von Jazz ist das Medikament Xyrem gegen die von Tagesschläfrigkeit begleitete Narkolepsie. Es dürfte 2016 erstmals mehr als 1 Mrd. $ einbringen – verglichen mit knapp 600 Mio. $ 2013.